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Soziologe Michael Hartmann

''Die Elite gefährdet die Demokratie''

"Es gibt uns, und es gibt die Gesellschaft." Wer ist eigentlich die deutsche Elite? Soziologe Michael Hartmann über Topmanager, den Fall Zumwinkel und die Leistungslegende.
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Und wieviel verdienen Sie? Szene aus Viscontis Film "Die Verdammten". - Foto: Cinetext
Herr Hartmann, seit die Steuerfahndung Postchef Klaus Zumwinkel und andere Spitzenverdiener ins Visier genommen hat, wird viel über die Elite diskutiert. Der Begriff hat eine lange Karriere hinter sich.

Er war nach 1945 diskreditiert, weil die deutschen Eliten in die Nazi-Verbrechen verstrickt waren. Aber nach 1989 erlebte er eine Renaissance. Zum einen, weil die Eliten des Dritten Reichs tot waren. Zum anderen, weil Deutschland international wieder eine größere Rolle spielen sollte. Und dazu, so die Vorstellung, gehören Eliten. Dann ging Ende der neunziger Jahre die Diskussion um Eliteuniversitäten los.

Aber Eliten gibt es nicht erst seit den neunziger Jahren.

Aber sie werden seitdem in der Öffentlichkeit wieder positiv dargestellt. Vorher standen sie stärker unter Druck und meldeten Ansprüche nicht so offensiv an. Die Kinder der Elite haben heute keine Probleme damit, in Nobelbars mehrere hundert Euro für eine Flasche Champagner auf den Tisch zu legen. Luxus wird wieder zur Schau gestellt.

Wie viele Personen gehören in Deutschland zur Elite?

Es sind etwa 4000, zumeist Männer.

Wie definieren Sie Elite?

Wenn man die gesellschaftliche Entwicklung qua Position oder qua Geld maßgeblich beeinflussen kann. Die Möglichkeit besitzen Großunternehmer, Spitzenmanager, Spitzenpolitiker und die Spitzen in Justiz und Verwaltung. Mit ihren Entscheidungen greifen sie konkret ins Leben der Bevölkerung ein.

Hat diese Machtfülle Einfluss auf die Mentalität der Eliten?

Man hält sich für besonders, vor allem unter den Wirtschaftseliten. Es fängt bei den Kindern an, die feststellen, dass ihr Vater anders ist als andere Väter. Die Jugendlichen lernen, mit Macht umzugehen und merken, dass die allgemeinen Regeln für die eigene Familie nur eingeschränkt gelten. Man empfängt keine Anweisungen, man weist an. Eine Haltung prägt sich aus: Es gibt uns, und es gibt die Gesellschaft.

Ist der Fall Zumwinkel ein Symptom dafür?

Die Wirtschaftseliten sagen, dass wir uns in einem weltweiten Konkurrenzkampf befinden, in dem der Staat nur wenig Bedeutung hat. Trotzdem soll das eigene Land exzellente Bedingungen liefern: also niedrige Steuern bei guter Infrastruktur. Der Staat soll alles für die Unternehmen tun, die Unternehmen aber nichts für ihn. Dieses Bewusstsein überträgt sich auf die Persönlichkeit der Manager. Man zieht sich raus, weil die eigene Lebenswirklichkeit mit der Masse nichts mehr zu tun hat. Ob das der Privatjet ist oder die Klinik, die man sich weltweit aussuchen kann: Man gestaltet sein Leben, wie man will. Der Staat wird nur als lästig empfunden.

Stellt diese Verachtung für die Gesellschaft eine Gefahr für die Demokratie dar?

Die Elite könnte eines Tages sagen, dass sie demokratische Entscheidungen nicht mehr akzeptiert, weil die Bevölkerung keine Ahnung habe, was in der Welt los sei. Sie sagt ja heute schon: Die Kuschelgesellschaft ist vorbei. Aber die Leute, die diese Dinge verkünden, beziehen sie nicht auf sich selbst. Sie verschaffen sich astronomische Abfindungen, Übergangszahlungen und Renten. Sie predigen das Ende der sozialen Hängematte und lassen sich Hunderte Hängematten knüpfen.

Aber Spitzenmanager leisten mehr, zahlen mehr Steuern und könnten abwandern.

Dieses Legitimationsmuster hält keiner empirischen Überprüfung stand. Deutsche Topmanager können nicht einfach ins Ausland gehen. Es gibt keinen internationalen Markt für Spitzenkräfte. Nur neun von 100 deutschen Spitzenmanagern sind Ausländer, vor allem Österreicher und Schweizer. In Frankreich und Japan ist es jeweils einer. In den USA sind es fünf. Dennoch wird das Argument gebetsmühlenartig wiederholt.

Die Elite trägt aber die größte Steuerlast.

Zehn Prozent der Deutschen zahlen 50 Prozent der Steuern, aber sie verdienen auch rund 40 Prozent der Einkommen. Entscheidend ist der Unterschied zwischen den versteuerten Vermögenserträgen und den tatsächlichen Vermögenserträgen. Da wird einem ganz schwindlig. Die reichsten zehn Prozent haben Einnahmen von rund 100 Milliarden Euro, versteuern aber nur Erträge von 20 Milliarden. Die Steuerprüfung operiert da nur auf bescheidenem Niveau. Ihr ist ja nicht mal aufgefallen, dass Klaus Zumwinkel mit seinen Angaben zeitweise unter dem Sparerfreibetrag lag.

Zumwinkel bekam drei Millionen Euro im Jahr. Hatte er Steuerhinterziehung nötig?

So denken Sie! Aber einer wie Zumwinkel vergleicht sich mit Ackermann, der zwölf Millionen kriegt. Und Ackermann vergleicht sich mit seinen Investmentbankern, die 20 bis 30 Millionen machen. Und die schauen auf die Hedgefondsmanager, die es auf eine Milliarde bringen.

Was machen die Eliten mit dem Geld?

Es geht darum, mitzuhalten. Sich eine Jacht zu kaufen oder ein zweites oder drittes Haus. Seit etwa 30 Jahren homogenisieren sich die Wohnviertel in Deutschland. Die Elite wohnt im Hochtaunus, an der Elbchaussee oder am Starnberger See. Dort sind die Grundstückspreise so stark angestiegen, dass die Reichen weitgehend unter sich bleiben. Diese Entwicklung beobachten wir bundesweit. Je weiter die Vermögensunterschiede auseinanderdriften, umso krasser wird die räumliche Segregation.

Hat auch die um 40 Prozent gestiegene Anzahl der Privatschulen damit zu tun?

Privatschulen richten sich nicht so sehr an die Eliten, sondern an die verunsicherte obere Mittelklasse. Das sind Menschen, die den sozialen Aufstieg in den siebziger Jahren mitgemacht haben und nun bei ihren Kindern den Abstieg fürchten. Also fahren sie die Ellenbogen aus. Die Kinder sollen für den harten Konkurrenzkampf gewappnet sein. Die wirklichen Eliten sind da gelassener, weil sie soviel Geld haben, dass sie nicht in Schwierigkeiten geraten werden.

Was treibt die Elite in ihrer Freizeit?

Sie geht Golfen, Segeln, Skifahren. Es gibt aber nationale Unterschiede: 40 Prozent der Franzosen sagen, ihr wichtigstes Hobby sei, Bücher zu lesen oder zu schreiben. Die Briten gehen wandern oder pflegen den Garten. Die Deutschen fahren zur Oper nach Salzburg oder Bayreuth. Es gibt einen Bildungskanon, den man beherrschen sollte. Man muss kein Callas-Experte sein, aber man sollte wissen, was Callas von Netrebko unterscheidet.

Wie reagieren Eliten, wenn ihr Einfluss und ihr Reichtum beschränkt werden?

Sie wehren sich. Wenn jemand von Kindesbeinen an gewohnt ist, über alles verfügen zu können, wird er dieses Privileg erbittert verteidigen.

Muss die Elite nach dem Fall Zumwinkel denn um ihre Privilegien fürchten?

Wahrscheinlicher ist, dass die oberen Einkommen weiter wachsen und die unteren weiter schrumpfen werden. Schon Ende der neunziger Jahre verdiente das obere Promille der Deutschen soviel, dass nur die reichen Amerikaner noch mehr hatten. Zu dieser Entwicklung hat die Politik der letzten 15 Jahre mit ihren Steuergeschenken entscheidend beigetragen. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist in keinem anderem Land Westeuropas so tief aufgerissen wie in Deutschland.

– Das Gespräch führte Philipp Lichterbeck.

Michael Hartmann, 55, ist Deutschlands führender Elitenforscher. Er lehrt an der TU Darmstadt. Zuletzt erschien von ihm die Studie
„Eliten und Macht in Europa“ (Campus).

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 23.02.2008)
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Kommentare [ 25 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von redperry redperry ist gerade offline | 23.2.2008 10:21 Uhr
Kleine Nachfrage!
"Die reichsten zehn Prozent haben Einnahmen von rund 100 Milliarden Euro, versteuern aber nur Erträge von 20 Milliarden".

Wie sind diese Angaben zu belegen?
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von stefano1 stefano1 ist gerade offline | 23.2.2008 11:37 Uhr
Angst
Verständlich, dass diese Leute so viel Angst vor den "Linken" haben.
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von multischuldi multischuldi ist gerade offline | 24.2.2008 12:48 Uhr
Mittelschicht muss Angst haben
Den "Reichen" sind die Linken egal. Die ärgern sich höchstens über die ständigen Neidparolen. Angst muss allein die Mittelschicht haben, da -Vorbild DDR - sozialistische Wirtschaft- und Gesellschaftspolitik zur Verarmung und Mangelwirtschaft führt. Ausnahme: sog. Bonzen
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von talkingkraut.peterson talkingkraut.peterson ist gerade offline | 23.2.2008 11:50 Uhr
Elitenforschung ohne Einblick in wirtschaftliche Zusammenhänge
Vielleicht liegt es ja daran, dass Unternehmenserträge in neue Maschinen und Anlagen investiert werden und deshalb nicht besteuert werden, was natürlich für eine Volkswirtschaft im internationalen Wettbewerb lebensnotwendig ist. Würden die Unternehmer ihre Erträge alle versteuern und nicht mehr investieren, wären wir in wenigen Jahren eine neue DDR.
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von dali dali ist gerade online | 23.2.2008 15:18 Uhr
So jetzt reicht's mal @ talking.., hier bist Du zu weit gegangen,
es geht ja eben NICHT um den erfolgreichen Unternehmer, der einen Großteil seiner Erträge reinvestiert.
es geht um die hunderttausende von Aasgeiern, die rund um den Globus nichts anderes tun, als Unternehmen, egal wo, einfach auszuplündern.
Wie das funktioniert, weiß selbst tp seit "Wall Street" vor 20 Jahren.
Finanzkapital "verdient" auf der ganzen Welt nicht einen müden Euro, es schafft keinerlei Mehrwert.
Da Börse ein Nullsummenspiel ist, "verdient" da auch niemand Geld, er hat es nur von jemand anderen, umgekehrt "verliert" niemand Geld, es hat nur jemand anderer.
Dieses System verteilt "Werte" nur um und akkumuliert sie.
Wertsteigerungen insgesamt kommen nur dadurch zustande, dass "frisches" Geld "eingespeist" wird.
So,
nun möge tp. sein Hackbrett betätigen,
und uns die Vorteile der um den Globus wabernden Finanzkapital BILLIONEN erklären,
einige Antworten sehe ich schon vor mir,
also nicht ins offene Messer laufen..

mit freundlichsten Grüßen

dali
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von joz joz ist gerade offline | 23.2.2008 16:01 Uhr
Was soll das?
@talkingkraut
Also - zur geistigen Auffrischung - , Einnahmen/Erträge abzüglich Aufwendungen (inkl. Abschreibungen) ergibt den Gewinn, der zu versteuern ist. Die Investitionen werden - u.a. - aus dem versteuerten Gewinn getätigt. Die erworbenen Anlagen (Masch., Fahrzeuge usw.) können dann gewinnreduzierend über ihre Lebensdauer abgeschrieben werden.
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von ganymed ganymed ist gerade offline | 23.2.2008 12:29 Uhr
ach so,
ich dachte bisher, elite hat auch was mit moral zu tun. hab mich vertan.
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von epunion.de epunion.de ist gerade offline | 23.2.2008 13:10 Uhr
Aristokratisierung
Letztlich entwickelt sich der Kapitalismus auch nur in eine totalitäre Richtung, weil es kein Gegengewicht mehr gibt.
Größenwahn fand schon immer seine Grenzen - leider oftmals im Zusammenhang mit Tausenden, Millionen von Leidtragenden. Letztlich verhält sich eine Elite, die sich ihre Werte transmoralisch festlegt nicht anders als die "Mafia" in Italien.
Mit anderen Worten : Die Werte eines demokratischen Staates werden unter der eigenen zurecht gelegten Moralvorstellung zum Teufel gejagt.

Der Autor hat ein gutes Auge.

epunion
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von rpt rpt ist gerade offline | 23.2.2008 14:30 Uhr
Profiteure
"Zehn Prozent der Deutschen zahlen 50 Prozent der Steuern, aber sie verdienen auch rund 40 Prozent der Einkommen" - Also zahlen sie netto in das System ein. Im Gegensatz zu Harz IV Empfängern, die nur kassieren aber nichts leisten.
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von baerliner baerliner ist gerade offline | 23.2.2008 16:32 Uhr
Profiteure
@rpt: Diese Aussage erfreut sicherlich alle Arbeitnehmer, die jahrelang erfolgreich für ein Unternehmen tätig waren, reichlich ins System eingezahlt, um dann ihren Job durch "Standortverlagerungen" verloren haben. Ein Jahr erfolglose Jobsuche in Strukturschwachen Gebieten und schon ist man als Hartz 4 Empfänger in Ihren Augen also ein Schmarotzer.
Diese Art von Pauschalisierung ist genauso pervers wie das Verhalten der hier diskutierten Eliten.
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von henrykonfu henrykonfu ist gerade offline | 23.2.2008 14:34 Uhr
Elite oder doch eher Streber?
Hartmann führt hier deutlich vor Augen, wie die Lage in Deutschland ist und wird hoffentlich auch mal den Verteidigern der so genannten „Elite“ zu denken geben.

Wie tief wir moralisch gesunken sind, zeigt, wie heutzutage „Elite“ definiert und charakterisiert wird.
So würde ich eher den „Streber“ definieren, der sich rücksichtslos an seinen eigenen Erfolg orientiert.

Ein Werner von Siemens gehörte noch zur „Elite“, wie man sie sich vorstellen sollte und auch als Vorbild gelten könnte. Neben seiner sonstigen Leistung machte er sich auch Gedanken um das Schicksal seiner Leute. Die normale Entlohnung erschien ihm nicht ausreichend. Er sagte einmal: „Mir würde das Geld wie glühendes Eisen in der Hand brennen, wenn ich den treuen Gehülfen nicht den erwarteten Anteil gäbe.“

Werner von Siemens würde sich im Grab umdrehen, sähe er, wie heutzutage die "Eliten" mit ihren Gehilfen umgehen.
Comment
von simon simon ist gerade offline | 23.2.2008 14:59 Uhr
schamlos
genau daran arbeitet die cdu csu fdp seit jahrzehnten.
seit schroeder beteiligt sich die spd und auch die gruenen.
die spd die gruenen die muessen sich dafuer furchtbar schaemen.
fuer die cdu csu fdp ist dieser betrug alltag -taeglich brot.
sie moechte das auch noch immer weiter verstaerken.
deswegen blaest sie jetzt alarm mit der linken gefahr.
und solange die spd dabei hilft in der grossen koalition ist doch alles ok
wenn man die spd ausgesaugt hat
schmeisst man die huelle in den muelleimer
nicht wahr herr struck
Comment
von teufelsabbiss teufelsabbiss ist gerade offline | 23.2.2008 15:48 Uhr
Das ist die
Klassische Parallelgesellschaft und genauso wenig bereit, allgemeine, für alle verbindliche Regeln und Werte zu akzeptieren.
Comment
von dali dali ist gerade online | 23.2.2008 16:36 Uhr
W.v.Siemens war auch kein Zocker,
er wusste, was ein Bruder im Geiste einige Zeit danach so ausdrückte:
Autos kaufen keine Autos,
was aber diese (mehr oder minder) ehrbaren Unternehmer und Kaufleute mit den Millionen großen und kleinen Zockern zu tun haben, ist mir nicht eingängig.
Dies Zocker, die sich Aktionäre nennen unterscheiden sich untereinander eigentlich nur darin, ob sie zur rechten Zeit "rein" oder "raus" gegangen sind.
Wer 89 bei SAP oder/und PORSCHE 10.000 DM !!! angelegt hat, braucht heute nicht mehr für Geld zu arbeiten,
wer aber damals schon 100.000.- anlegen konnte, befindet sich schon am unteren Rand der "Eliten".
Ist man heute schon "Elite", wenn man zum richtigen Zeitpunkt investiert hat und keine zittrigen Hände bekommen hat?
Ist das die ganze Leistung und der Orientierungspunkt für die Zukunft unserer Gesellschaft?
Ich fürchte aber, es geht um was Anderes.
Je mehr Armut es gibt, um so mehr macht Reichtum Spaß,

so versteht man gleich auch den Begriff "Spaßgesellschaft" viel besser..
Comment
von gralsritter gralsritter ist gerade offline | 23.2.2008 17:32 Uhr
Deutschlands führender Elitenforscher
die eliten spielen golf, kaufen yachten und hinterziehen steuern. das sind also die erkenntnisse, die "deutschlands führender elitenforscher" nach jahrelanger mühevoller soziologischer untersuchung zusammengetragen hat?

klingt eher nach allgemeinplätzen, klischees und wahnvorstellungen.

dieses interview läßt wissenschaftlichkeit schmählich vermissen und wartet stattdessen mit einem häßlich dunkelroten unterton auf.
Comment
von rainbow rainbow ist gerade offline | 23.2.2008 17:46 Uhr
Was soll das?
Dann sollte man die Elite und "die Reichen" zum Teufel jagen und auf ihre Steuern verzichten !
Danach ginge es allen (zumindest moralisch) bestimmt sehr viel besser.


Comment
von wilhelm wilhelm ist gerade offline | 23.2.2008 18:05 Uhr
dali
Eine gute Antwort auf das sprechende Gemüse. - Soweit Gemüse überhaupt Überzeugungen haben kann, scheinen diese im vorliegenden Fall fest in einer virtuellen Vorstellungswelt verwurzelt zu sein. Wirkt Exorzismus bei Pflanzen? (Ja, ja, Sie vermissen die Sachlichkeit, zurecht, aber als Gemüsefan fühle ich mich ganz persönlich angegriffen und gekränkt und ob der floraschen Monotonie und argumentativen Unbeindruckbarkeit war mir sogar die Ironie vorübergehend abhanden gekommen. Und da hört der Spaß auf.)
Comment
von dali dali ist gerade online | 24.2.2008 6:36 Uhr
nee @wilhelm,
ich vermisse bei Ihnen nicht die Sachlichkeit,
eher mal die Polemik,
um zu kämpfen, braucht man die sachliche Analyse,
z.B. damit man weiß, wofür man kämpft und ob das auch des Engagements "wert" ist.
Aber wenn man empfindet,
hallo, das, was du da erkennst, ist richtig,
finde ich (ja, das ist ja die Einschränkung), muss man es diesen bösen Buben und Schwestern auch mal mit eschatologischem Zorn entgegen schleudern, sonst glauben die nämlich, sie könnten mit ihrem tautologischen "Relativieren" die (Er-)Kenntnis verdunkeln.
Es geht darum, unsere Bundesrepublik bewohnbarer zu machen, nicht darum, irgendwelchen Krautköppen zu widersprechen.

Wir können an unsere Kommunikationspartner Fragen stellen
und daran ob und wie sie beantwortet werden, können die, die unsere Texte lesen, schon viel über "Meinungen" erfahren und lernen,
leider aber auch (oder doch zum Glück), wie man sie produziert..

schönen Sonntag (wie ich hoffe in nordischer Natur)

wünscht Ihnen

dali
Comment
von lauti lauti ist gerade offline | 23.2.2008 18:37 Uhr
Die Elite gefährdet die Demokratie
Es gibt eine viel bessere Definition für das, was Eliten sind: Sie unterliegen nicht (mehr) der Notwendigkeit, für sich selbst zu sorgen. Sie haben finanziell ausgesorgt und reisen gern nach Lichtenstein. Genau das aber - die Notwendigkeit, für sich selbst zu sorgen, was ja eigenes Denken und Handeln voraussetzt - ist eine unverzichtbare Bedingung dafür, ein nützliches und verantwortungsbewusstes Leben zu führen. Eliten verlieren zu oft aus ihren Augen, dass es sich bei der Vernunft um Wahrnehmung des Ganzen handelt.
Comment
von stefan stefan ist gerade offline | 23.2.2008 19:28 Uhr
@ ach dali,
Schade, Ihre Kommentare hatten sich früher von den platten Polit-Parolen der Lafontaine-Kader unterschieden, jetzt machen Sie die gleiche einstudierte, automatisierte Agitation, wie die anderen auch.

Die Welt hat es bestimmt nicht nötig, am deutschen Wesen zu genesen.
Comment
von dali dali ist gerade online | 23.2.2008 23:31 Uhr
@stefan übersieht da einiges,
zwar haben LaFo und ich aus den gleichen Quellen gesoffen, sind aber und kämen noch heute zu sehr unterschiedlichen Schlüssen.
Zwar benutze ich oft als Analysemethode die Grundlagen aus "Das Kapital", doch sind meine Konsequenzen eben nicht die einer sozialistische Konzeption sonder folgen dem grundliberalen Schema der Freiburger Schule mit dem von deren Vertretern entwickelten "Ordoliberalismus" deren praktische Umsetzung weitgehend in der "Sozialen Marktwirtschaft" realisiert war.

Weiter entwickelt wurden auch diese Gedanken von Liberalen wie Karl Herrmann Flach, der mit seine "Freiburger Thesen" dafür auch sozialliberale Lösungen vorstellte.
Mit der Kohlwahl hat sich die FDP völlig von diesem Weg verabschiedet und ist heute eine der Sozialen Marktwirtschaft konsequent entgegenhandelnde Partei der "Besserverdiener"

Nach 98 hat auch Rot/Grün einige Sünden und Fehler in dieser Hinsicht begangen, die ich aber an anderer Stelle schon ausführlicher "gewürdigt" habe...
Comment
von organon organon ist gerade offline | 24.2.2008 18:06 Uhr
'Geld ist nicht alles...
ohne Geld ist alles nichts', sagt man so schnell dahin. Doch es gibt auch Dinge die man, Gott sei Dank, nicht kaufen kann. "Wie definieren Sie Elite?" Das kann explicit von Michael Hartmann nicht verabreicht werden: was fragwürdig-materialistisch daher kommt und fragwürdige Attribute generiert. Eliten diesen Kalibers stehen allein "wie das Männlein im Walde", wenn sie in der Vorzeige-Hierachie nicht vorkommen. Der Maaßstab, der hier angelegt wird, ist gegen Geld immun. Und an unsrer Gesellschaft liegt es ganz einfach, welche Spielregeln wir akzeptieren...
Comment
von riegel riegel ist gerade offline | 27.2.2008 20:52 Uhr
@dali und joz
talkingkraut.peterson hat natürlich recht bezüglich der DDR recht. Dort mussten bis zu 90% des Gewinnes versteuert werden. und das war der Erlös vor irgendwelchen Aufwendungen
Darum hatten z.B. die Gaststätten auch immer freie Plätze oder waren wegen Krankheit geschlossen, denn es macht ab einer bestimmten Einnahme überhaupt keine Sinn mehr zu arbeiten. Ebenso war es unmöglich Investitionen zu realisieren. die mussten erst genehmigt werden. Wenn wir weiter in Deutschland nach Links triften, wird auch die Linke diese Steuerkonzepte auspacken und dali sie verteidigen.
Comment
von dali dali ist gerade online | 28.2.2008 16:16 Uhr
"Dort mussten bis zu 90% des Gewinnes ...,( @riegel)
das ist er einzige richtige Satz in riegels Kommentar:

PRIVATE Kneipen hatten NIE irgendwelche freie Plätze und mussten, wenn man nicht als Wessi 'nen 10er hingehalten hat, Wochen vorher bestellt werden. Auch waren "private" Dienstleister und Handwerker schon seit Anfang der 80er nur für "blaue Kacheln" bekommen.
Außerdem habe ich mich noch nie und nirgends für die Vergesellschaftung der Produktionsmittel ausgesprochen.

Was mir an unserem Wirtschaftssystem nicht passt, ist das um den Globus floatende Finanzkapital und bei dem auch nur, was dessen Einfluss auf die Geschäftspolitik der Firmen angeht,
und die für meine Ansprüche ZU GERINGEN Anteile der oberen 30% am GESAMTSTEURAUFKOMMEN (jetzt nicht wieder was von der Einkomm... erzählen, die ist dagegen verschwindend und die übliche Sinn/Henkel Nebelkerze)
Auch halte ich die Versorgung mit Betreuung, Beschulung, das Gesundheitswesen sowie die Versorgung der Rentner für staatliche Kernaufgaben...
Comment
von freidenker freidenker ist gerade offline | 29.2.2008 23:13 Uhr
Die Bezeichnung "Elite" ...
... an sich irreführend und in sich bereits Ideologie.
Sinnvoller wäre ein ehrlicher Begriff wie etwa "die Reichen".

Zu dieser Ideologie gehört es glauben zu machen, dass Reichtum an sich eine positive Leistung sei. Mit dieser durchsichtigen ideologischen Konstruktion rechtfertigen sie den Besitz und legitimieren ihre so offensichtlichen charakterlichen Defizite.


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