Kultur : A-Capella: Durst

JOCHEN METZNER

Eine Gruppe wie The Buddhas kann wohl nur aus Hamburg und von der Waterkant kommen, aus Berlin jedenfalls kaum.Während die hiesigen Popmusiker aller Fraktionen seit jeher einer gewissen lokaltypischen Widerborstigkeit frönen und am liebsten das Schießpulver nochmals neu erfinden wollen, hat man sich dort seit den legendären Star Club- und Rattles-Zeiten stets viel stärker nach den Kraftquellen des internationalen Mainstream gesehnt.Die Buddhas sind ein neuer Beleg dafür, daß die Akzeptanz eingängiger Vorgaben, Melodiemuster und Genre-Topoi eine ganz eigene Note keineswegs ausschließt.Seit 1995 recyceln die fünf smarten Jungs mit der klassischen Stimmbildung unverwüstliche Ohrwürmer von Annie Lennox oder Stevie Wonder, Prince oder The Temptations in reinem A Cappella-Gewand.Das Konzept wurde jetzt auch in der Ufa-Fabrik zur Erfolgsstory, weil sie mit Glamour in der Popmusik und den hemmungslosen Romantizismen inbrünstiger Soul-Refrains keinerlei Probleme haben, sie frecherweise sogar nicht mal den sonst obligaten Ironie-Zwängen opfern.Gekonnt und raffiniert arrangiert bringen sie das innere Leuchten zahlloser Pop-Hymnen erst richtig zum Vorschein.Rhythmischen drive bleiben die fünf dabei keineswegs schuldig.Nur bewehrt mit Stimmgabel und Mikrofon, doch unterstützt von einer opulenten Schalltechnik, mutieren sie zu wahren Maultrommlern, die mit ihrem percussiven Zungenschlag jede Hi-Hat-Maschine abhängen.Das rhythmische Füßestampfen überlassen die agilen Turnschuh-Träger hingegen lieber ihren Berliner Fans, die sich immer neue Zugaben ertrampeln (noch bis 15.Mai, Mi-Sa, 20 Uhr).

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