Kultur : ¡A la mode

HEINZ BERGGRUEN

Junge Kunst - ein heikles und vor allem sehr komplexes Thema.Was ist Bildende Kunst heute? Seit in den fünfziger Jahren der genialische Schweizer Künstler Jean Tinguely eine Maschine konstruierte, die sich selbst zerstörte - das Kunstwerk wurde in NICHTS aufgelöst -, seit der inzwischen ebenfalls verstorbene Franzose Yves Klein die Wände der Pariser Galerie, in der er auszustellen pflegte, mit dem berühmten Klein-blau anstrich und dann, bewundert von Kritikern und Besuchern, behauptete, damit hätte er ein Kunstwerk geschaffen, seitdem ist es schwer zu definieren, was ist Kunst und was nicht.

Die junge Schweizerin Pipilotti Rist wirft im Hamburger Bahnhof in Berlin Videos an die Wand, und alle strahlen.Gute Unterhaltung.Man ist amüsiert, wenn man sieht, wie eine hübsche junge Dame mit einer Hooligan-Keule in der Hand eine Fensterscheibe nach der anderen von Autos zerschmettert, an denen sie vorbeischlendert.

Ölgemälde, artig auf Leinwand mit Keilrahmen präsentiert und auf Staffeleien stehend oder säuberlich an Museumswänden hängend - ist das noch akzeptierbar? Die neuen Medien haben wie eine Flut die Dämme überrannt, hinter denen sich die alteingesessenen traditionellen Tafelbilder von Picasso und Kandinsky melancholisch fragen, ob sie überhaupt noch in unsere Welt gehören oder längst schon überfällig sind, in den Kellern unserer Kulturinstitute Staub zu sammeln.

Telematische Elektronik schafft innovativ virtuelle Erlebnisse, wie es sie nie bisher vor dem Ende unseres Jahrhunderts gab.Klee? Kirchner? Matisse? Miro? Old hat.Des Kaisers allerneueste Kleider werden auf dem schlüpfrigen Laufsteg der Kunstmode vorgeführt, und die Kennerclaque applaudiert.

Heinz Berggruen ist Kunstsammler.Die Frage stellten die Berliner Festspiele mit Blick auf die Festwochen, die am 1.September beginnen.Der Tagesspiegel druckt einen Teil der Antworten.Nächste Folge: Robert Gernhardt.

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