Kultur : "A Musicall Banquet": Feine Pastetchen

Carsten Niemann

So klang Werbung Anno 1610. Die Lieder in Robert Dowlands Sammling "A Musicall Banquet" seien "gesammelt und geerntet aus den Werken der außerordentlichsten und verständigsten Meister der Musik, die jetzt oder kürzlich unter der Christenheit leben oder gelebt haben." Schön ausgedrückt und kaum übertrieben. Ab Januar gibt es das Album im Handel (Decca), gesungen von Andreas Scholl, den unter anderen Edin Karamazov auf der Laute begleitet. Im Kammermusiksaal der Philharmonie ergänzten die beiden dieses Programm nun mit englischen Folksongs und Balladen.

Sagen wir es wie die Alten: Scholl bewies einmal mehr, dass er einer der außerordentlichsten und verständigsten Countertenöre ist, die jetzt leben - und das nicht nur unter der Christenheit. Außerordentlich die Stimme, die so völlig klar, so makellos, wärmend und schwebend den Raum füllte. Und überaus verständig die Art, in der Scholl die feinen Pasteten dieses stilistisch reichen musikalischen Banketts auftischte. Besonders beeindruckend gerieten die traditionellen, einfachen Speisen der Strophenlieder und Balladen: Mit größter Ruhe vorgetragen, mit ganz dosiertem, ausgesuchtem Gewürz für die Schlüsselwörter, so dass ein kleines Mehr an emotionaler Intensität, ein nur angedeuteter Schluchzer auf dem Wort "weep" selbst die Herzen der fern in Block E residierenden Zuhörer rühren musste.

Für den famosen Lautenisten indes hätte man sich des öfteren einen kleineren Saal gewünscht. Das Album jedoch, so wussten die Fans, kann man mit Kopfhörer hören: Es ging in der Pause weg wie warme Semmeln. So schön kann Werbung klingen - auch Anno 2000.

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