Kultur : Ab ins Museum

Iring Fetscher

Am 13. und 14. November stand das Berliner Opernpalais im Mittelpunkt des Interesses von Sammlern aus Europa und Übersee, die sich auch telefonisch teils heftige Bietgefechte bei der Auktion des Hauses J. A. Stargardt lieferten. Den höchsten Preis erzielte Alexander Puschkins Gedicht "Märchen von der toten Zarentochter", das sich ein französischer Sammler für 260 000 Mark sicherte.

Dass Amerika längst nicht so "kulturlos" ist, wie manche hier zu Lande unterstellen, bewies ein amerikanischer Sammler, der ein 28-seitiges Musikmanuskript von Frau Liszt von 60 000 auf 110 000 Mark steigerte! Franz Kafkas Brief an seinen Freund Franz Werfel ging für 70 000 Mark (Schätzpreis 40 000 Mark) an das angesehene "Haus der Bücher" in Basel. Schillers Schreiben an "Herrn Geh. Rath v. Goethe Hochwohlgeb." konnte ein deutscher Privatsammler für 60 000 Mark ersteigern. Der "imaginierte Geburtstagsbrief" von Novalis an seinen verstorbenen Bruder ging ans Freie Deutsche Hochstift in Frankfurt am Main (80 000 Mark), während Frankfurt an der Oder pflichtschuldigst für sein Kleistmuseum für einen Fünfzeiler des Dichters 70 000 Mark bot (Schätzpreis 25 000 Mark).

Die zwölf kleinen Seiten eines Handschreibens von Marcel Proust an "M. M. Warburg banquiers à Hamburg" fanden keinen lokalpatriotischen Käufer aus Hamburg, sondern gingen für 14 000 Mark in die Schweiz. Als die Banker noch Banquiers hießen, wäre das wohl nicht passiert (Schätzung 6000 Mark). Das Prunkstück der Auktion, ein ungemein seltenes Autograph von Vivaldi, ging nicht über den Schätzpreis von 150 000 Mark hinaus und wurde einem deutschen Sammler zugeschlagen. Das Kaufinteresse war generell außerordentlich groß und von der gedrückten Wirtschaftslage offenbar wenig beeindruckt.

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