Kultur : Ab unter die Decke

Schwule Multikulti-Komödie: „Mambo Italiano“ von Emile Gaudreault

Martin Schwickert

Der Spagat der zweiten Einwanderergeneration zwischen Tradition und Moderne bietet im deutschen Kino Stoff für Sozialarbeiterdramen und wuchtige Multikulti-Tragödien wie „Gegen die Wand“. In Nordamerika hingegen ist das Terrain fest in der Hand der Komödienschreiber. Nach „My Big Fat Greek Wedding“ widmet sich nun Émile Gaudreaults Ethno-Klamotte „Mambo Italiano“ dem Generationskonflikt in der italienischen Community.

In Montreals „Petite Italie“ ist die Welt noch in bester italienischer Ordnung. In den Gemüsegärten gedeiht der Broccoli und in den Eigenheimen der postantike Säulenkitsch. Die Familien kleben zusammen wie kalt gewordene Pasta, und für die erwachsenen Söhne gibt es nur zwei Möglichkeiten, dem elterlichen Haus zu entkommen: Heirat oder Tod.

Angelo versucht einen dritten Weg, indem er mit seinem alten Schulfreund Nino zusammenzieht. Dass die Junggesellen-WG eigentlich ein schwules Liebesnest ist, ahnen die Eltern nicht. Schwul sein und Italiener – das ist für sie eine ethno-genetische Unmöglichkeit. Umso größer die Turbulenzen und Konsequenzen des ComingOuts. Der Regie-Neuling, der ein autobiografisches Theaterstück von Steve Galluccio für die Leinwand bearbeitet hat, inszeniert die schwule Multikulti-Komödie über weite Strecken als Turbo-Sitcom. Paul Sorvino und Ginette Reno spielen sich in der Rolle der Eltern mit sichtbarem Vergnügen ins melodramatische Nirwana. Da bleiben Luke Kirby und Peter Miller, als Lover allzu züchtig unter der Bettdecke, zwangsläufig ein wenig blass. Gaudreault weiß, dass der vorhersehbare Plot nicht tragfähig ist, und setzt folglich auf Geschwindigkeit. Jeder Dialog ein Schlagabtausch. Jeder Satz ein Pointenvehikel. Aber immerhin, es funktioniert. Im Rausch der Komödie verschwimmen sogar die Italo-Klischees zu einem bunten Feel-Good-Movie.

In zehn Kinozentren; OV im Babylon Kreuzberg & Cinestar SonyCenter

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