Kultur : Abbruch Ost

Künstlerkrach in der Galerie Barthel + Tetzner

Michael Zajonz

Manchmal geht es zwischen Künstlern und Galeristen wie im echten Leben zu. Dabei ist es normal, wenn man sich trennt, um neue Bindungen einzugehen. Schwierig wird es immer dann, wenn die geschäftliche Zusammenarbeit ursprünglich auf Freundschaft beruhte. Mindestens vier Chemnitzer Künstler verließen nun ihre Galeristen Gunar Barthel und Tobias Tetzner. Michael Morgner, Thomas Ranft, Steffen Volmer und Peter Kallfels übernahmen den Chemnitzer Standort der zudem in der Berliner Fasanenstraße ansässigen Galerie und führen ihn unter dem historischen Namen Galerie „oben“ vorerst alleine weiter.

Die Galerie Barthel + Tetzner war erst vor zwei Jahren entstanden: durch die formale Vereinigung der schon jahrelang kooperierenden Galerien Gunar Barthel, 1989 in West-Berlin gegründet, und der zuletzt von Tobias Tetzner geleiteten, 1973 eröffneten Chemnitzer Galerie „oben“. Vor seiner Ausreise aus der DDR hatte Barthel die Galerie „oben“ geführt und dabei vor allem Morgner und Ranft ein Podium bereitet. In den Achtzigerjahren festigte er den Ruf der Galerie als Zentrum nonkonformer DDR-Kunst. Noch vor einem Jahr, als man in Berlin Jubiläum feierte, schien das gegenseitige Vertrauen ungetrübt. Doch schon im Januar äußerten die Chemnitzer die Sorge, dass ihr Standort zugunsten Berlins vernachlässigt werde. Im Juni-Heft der Zeitschrift „art“ wird berichtet, wie es aus Sicht der Künstler zum Bruch kam. Gunar Barthel indessen bestreitet, den Künstlern aufgrund ihres Protestes Vereinbarungen oder Verträge gekündigt zu haben. Lediglich die Chemnitzer Galerieräume habe er nach dem Streit aufgegeben.

Wer wem zuerst das Vertrauen entzog, scheint allerdings marginal im Vergleich zum Schaden, der daraus entsteht. Barthel + Tetzner büßen nicht nur wichtige Künstler, sondern einen Teil ihrer lebendigen Galeriegeschichte ein. Die Chemnitzer Dissidenten um Ranft und Morgner haben schon einmal, zwischen 1977 und 1982, mit der Produzentengalerie „Clara Mosch“ eigene Wege beschritten. Damals schrieben sie Kunstgeschichte. Derzeit erschöpft sich das Profil der erneuerten Galerie „oben“ noch in reiner Selbstpromotion.

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