ABC im Huxleys : Ewige Hingabe

Zurück zu den Wurzeln. Die Band ABC mit Frontmann Martin Fry öffnen beim Konzert im Huxleys ihr „Lexicon Of Love“ und lassen die Achtziger wieder aufleben.

Volker Lüke
Martin Fry
Martin Fry, Frontmann von ABC.Foto: Trinity Music

Es lebe die Liebe. Dieses magische Gefühl, das Berge versetzen oder einen in den Abgrund der Verzweiflung stürzen kann. Wer könnte besser davon erzählen als Martin Fry, der im Huxleys mit seiner siebenköpfigen Begleitband so souverän wie stimmsicher das Lexikon der Liebe aufschlägt. Dabei ist der Respekt, der dem 58-jährigen Frontmann von ABC entgegengebracht wird, längst nicht mehr so selbstverständlich wie vor 34 Jahren, als die Band aus Sheffield ihr epochales Debüt „The Lexicon Of Love“ wie einen funkelnden Goldregen auf die Tanzflächen der Diskotheken schleuderte: Ein von bittersüßer Melancholie und einem Hauch Zynismus geprägtes Album, mit dem Fry damals seinen Liebeskummer nach einer Trennung verarbeitete.

Das überschwängliche Discopopmeisterwerk konnte wohl nur 1982 entstehen, einem der schillerndsten Jahre der Popgeschichte, in dem sich alles verschwendete, vor allem die britische Popmusik, die nach dem Aufruhr des Punk in alle Richtungen explodierte. Produziert wurde das Album von Trevor Horn, der aus den Songs Minioperetten machte. Der ruppig-rockige Nachfolger „Beauty Stab“ gilt noch immer als einer der größten Karrierekiller aller Zeiten. Nun kam Fry auf die glorreiche Idee, dem Erfolgsalbum ein neues Kapitel hinzuzufügen und veröffentlichte „The Lexicon Of Love II“.

ABC geht es nicht darum, sich als Gegenwartsband zu beweisen

Nichts, worauf die Welt gewartet hätte, aber die neuen Songs wie das euphorische „Viva Love“ oder das selbstironische „Singer Not The Song“ fügen sich perfekt in ein Restprogramm, das in der zweiten Konzerthälfte von „Show Me“ bis „Tears Are Not Enough“ fast das komplette Debütalbum durchspielt – lediglich „Valentine’s Day“ fehlt. ABC geht es keineswegs darum, sich als Gegenwartsband zu beweisen. Spätestens beim zweiten Stück hat man glatt vergessen, dass es die Neunziger je gegeben hat.

Alles da: Die Deftigkeit vom Sax-Gebläse! Die Zackigkeit der Synthie-Streicher! Die Kühle der Kuschel-Chöre! Die Feistigkeit der Killer-Grooves! Ein klarer Fall von Herz-Ausschütt-Dekadenz inklusive gelungener Zeitreise, bei der zum Schluss mit Steve Norman auch noch der Saxofonist von Spandau Ballet auf die Bühne stolpert, um den Smash-Hit „Gold“ zu tröten. Die achtziger Jahre dürfen niemals enden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben