• Abenteuer Architektur: Wenn es Krieg mit den Nachbarn gibt, werden die Häuser besonders hoch gebaut

Kultur : Abenteuer Architektur: Wenn es Krieg mit den Nachbarn gibt, werden die Häuser besonders hoch gebaut

Rolf Brockschmidt

Von der Höhle zum Haus ist es ein weiter Weg gewesen für den Menschen, doch wohnen heute noch immer Menschen in Höhlen, beispielsweise in Matmata in Tunesien. Dort graben sich die Menschen in der Wüste Löcher in den Boden und von dort Wohnungen in den weichen Boden. Es gibt sogar Höhlenhotels in Matmata. Oder Baumhäuser: eine archaische Form des Wohnens in den Urwäldern Papua-Neuguineas. Die Korowai bauen ihre Häuser in schwindelerregnder Höhe, gestützt von dünnen Pfählen, ein ganz ungewohnter Anblick. An der Höhe kann man den Ernst der Lage erkennen. Gibt es Krieg mit den Nachbarn, werden die Häuser besonders hoch gebaut, ist es friedlich, werden sie etwas tiefer angelegt. Und bei uns? Die Autoren verweisen auf Piet Bloms Siedlung "Spielhaus" im niederländischen Helmond, die mit ihren auf die Spitze gestellten Wohnkuben einem Laubbaum sehr ähnlich sieht.

Die Architekten Achim Bode und Michael Frey haben in ihrem Buch "Wo wir wohnen" alle Formen des Wohnens untersucht und dabei immer einen Bezug zur Gegenwart hergestellt. Da werden die Terrassenbauten von Catal Hüyük von 6500 v. Chr. mit den gestapelten Wohnkisten der Habitat Flats von Moshe Safdie in Montreal von 1966/67 verglichen, der Iglu der Eskimos mit dem einzigen Eishotel in Norwegen, das jeden Winter neu gebaut wird. Dass man vom Indianer-Tipi auf das heutige Camping-Zelt kommt, liegt auf der Hand. Interessant dann wieder der Vergleich von Pfahlbauten mit der Villa Savoye von Le Corbusier in Paris oder der der Dschunken in Hongkong mit Hausbooten in Seattle.

Nach der erfolgreichen Serie "Abenteuer Kunst" hat der Prestel Verlag nun eine neue, vielversprechende Serie gestartet: Abenteuer Architektur. Ähnlich wie bei Abenteuer Kunst wird das Thema großzügig illustriert, in diesem Fall von Andreas Linke, und leicht verständlich erklärt. Die Zusammenhänge dürften - wie auch bei Abenteuer Kunst - dem interessierten Erwachsenen ebenfalls manche Einsicht bieten. Eine begrüßenswerte Initiative: Schließlich ist die Architektur prägender für das tägliche Leben als die Kunst. Die hängt im Museum, die Architektur prägt das Bild unserer Städte, damit auch die Umwelt unserer Kinder. Nicht schlecht, wenn sie die erklärt bekommen. Das schärft die Beobachtung und fördert die ästhetische Erziehung.Wo wir wohnen. Von Achim Bode, Michael Frey und Andreas Linke. Prestel Verlag 1999. 30 Seiten. 22,80 DM. Ab acht Jahren.

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