Kultur : Abenteuer eines Modefotografen

SUSANNE GRIESHABER

"Ich hatte eine Farm in Afrika." Mit diesen Worten beginnt Karen Blixens Roman "Afrika, dunkel lockende Welt".Ein Erinnerungsbuch, in dem die dänische Autorin von ihrem Leben im Hochland Kenias erzählt, wo sie von 1913 bis 1931 eine Farm besaß.Aus vielfältigen Detailbeobachtungen zeichnet sie ein literarisches Bild ihrer ganz persönlichen Begegnung mit der fremden, faszinierenden Welt Afrikas.Einer Welt der Abenteurer und Pioniere, in der letzten Phase des kolonialen Zeitalters.

Ihr Roman und ihre Persönlichkeit spielen im Leben und Werk des 1938 in New York geborenen Fotografen Peter Beard eine zentrale Rolle.Schon als Halbwüchsiger war er von ihrem Buch begeistert.Mehrfach besuchte er die öffentlichkeitsscheue Blixen und macht ein letztes, eindrucksvolles Porträt von ihr.Es taucht immer wieder in seinen neuen, collageartigen Arbeiten auf, die derzeit in der Galerie Camera Work zu sehen sind."Karen Blixen / last portrait / Dec.3.1961" (60 000 Dollar) zeigt sie im Halbprofil, umringt von Fotos toter Elefanten, Kikujugesichtern und Tierskeletten.

Afrika ließ Beard nicht mehr los: Schon mit siebzehn reiste er zum ersten Mal nach Kenia.Getrieben von Abenteuerlust und dem Wunsch, den Konventionen seiner bürgerlichen Umgebung in Amerika zu entfliehen.Beard schoß tausende Fotos, hauptsächlich von Tieren, bisweilen auch von Menschen und Landschaften.Seine Bilder von Giraffen in der Savanne, von Krokodilen beim Sonnenbad oder einer Elefantenherde im Flußlauf, die er mit Zitaten aus "Out of Africa" versieht, lassen unwillkürlich den Gedanken an ein verlorengegangenes Paradies aufkommen.Doch Beard dokumentiert nicht nur eine sterbende Tierwelt, er ist zugleich auch Modefotograf und Jetsetter zwischen Nairobi und Long Island."Maureen G.and a night-feeden at Hog Ranch" (50 000 Dollar) zeigt eine makellose Nackte beim Füttern einer Giraffe.

Neben der Fotografie ist das Schreiben von Tagebüchern Beards große Passion.Die Bände, die zusammen mit eigens für die Austellung angefertigten Foto-Arbeiten gezeigt werden, sind vollgestopft mit Schnappschüssen, Zeitungsschnipseln, Modefotos, Schlangenhäuten, Federn, Nußschalen und ähnlichem mehr.Die in der Ausstellung dicht gehängten, bis zu zwei mal zwei Meter großen Assemblagen wirken, als hätte Beard Seiten seiner Tagebücher in Großformat auf die Wand projiziert.Sie bestehen aus Dutzenden von Fotos, um die herum allerlei Krimskrams arrangiert ist.Alle Arbeiten sind großflächig mit Tierblut bestrichen.Diesen ganz besonderen Saft verwende er nicht, um das Sterben Afrikas zu veranschaulichen, betont Beard, sondern aus rein ästhetischen Gründen.Und tatsächlich wirken die Arbeiten trotz der etwas makaberen Bemalung überaus gefällig und dekorativ.

Was in der intimen Form des Tagebuchs funktioniert, erscheint im Großformat allzu plakativ.Beards Qualität als Fotogaf zeigt sich vielmehr in den ruhigeren Arbeiten - ohne das viele Drumherum.Ein Schwarzweiß-Porträt seines Malerfreundes Francis Bacon ist ein Beispiel dafür, wie treffend Beard die Persönlichkeit eines Menschen auf den Film zu bannen vermag.Umgekehrt hat Bacon auch Beard mehrfach porträtiert - Fotos dieser Reihe sind ebenfalls in der Galerie zu sehen.

Fotogalerie Camera Work, Kantstraße 149, bis 12.Dezember, Dienstag bis Freitag 10-19 Uhr, Sonnabend 11-15 Uhr.

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