Kultur : Abenteuer Partnerschaft

Kolja Blacher in der Komischen Oper Berlin.

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Er kommt und siegt. Zum ersten Mal spielt das Orchester der Komischen Oper Berlin die Sinfonie Nr. 49 f-Moll, „La Passione“, von Joseph Haydn, die mit einem Adagio-Satz beginnt, und Kolja Blacher leitet die Aufführung überraschend vom ersten Geigenpult aus. Ein „Dirigent“, dem jede Magie des Taktstocks fremd ist. Gruppenführung hat der Berliner Violinist verinnerlicht, nicht zuletzt als Erster Konzertmeister der Berliner Philharmoniker unter Claudio Abbado. Das Wunder dieses Abends in der Komischen Oper aber heißt partnerschaftliches Miteinander, weil die Musiker des Orchesters jedem Ansporn, der von Blacher ausgeht, mit spürbarer Zuneigung folgen.

In der Reihe der anspruchsvollen Sinfoniekonzerte des Musiktheaters an der Behrenstraße gewinnt hier schon die Eröffnung in Dynamik, Kontrapunkt und Harmonik den Glanz der Neuheit. Als Solist hat sich der Virtuose, auf seinem Instrument Gewinner mehrerer Preise der Schallplattenkritik, das Konzert Opus 61 von Ludwig van Beethoven vorgenommen. Hohes Ziel, großes Abenteuer.

Was nicht ganz lupenrein beginnt, wird zu einem umjubelten geigerischen Gipfelsturm. Die rechte Dirigierhand des Musikers, wenn sie denn frei ist, gibt ihre Impulse mit Bestimmtheit. Spielen und Leiten in Personalunion, wie es vergleichbar nicht vielen gelingt, überzeugt bei Blacher als Konsequenz daraus, dass er in seinen solistischen Höhen stets die Ganzheit der Partitur im Kopf hat. Als Interpret triumphiert er in den Kadenzen von Beethoven. Und mit Friedhelm May an den Pauken duettiert er wie ein Kammervirtuose.

Diese souveräne musikalische Vorstellungskraft Blachers führt auch in der Serenade für Streichorchester E-Dur von Antonin Dvobák zu silberzarten Harmonien im empfindsamen Larghetto und rhythmisch vortrefflichem Schluss: Präzision, Allegro vivace, die wiederum vom Konzertmeisterpult ausgeht. Das Orchester feiert mit dem Publikum seinen Solisten und leitenden Gast, der ihm einen Höhepunkt der Saison beschert hat. Und er weiß, was er den Kollegen zu danken hat. Sybill Mahlke

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