Abenteuer U-Bahn : Die halbe Welt in einem Waggon: Wimmel-Geschichten aus der U-Bahn

Was man in der U-Bahn so alles erleben kann! Sabine Knauf nimmt uns mit auf die Reise vom Rathaus Neukölln bis zur Berliner Straße. Eine Reise in das Innere Berlins.

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Geschichten aus der U-Bahn. Vom Rathaus Neukölln bis zur Berliner Straße folgt der Betrachter in Sabine Knaufs Bilderbuch Mücke, Floh und den anderen Fahrgästen, über die man von Bild zu Bild mehr erfährt. Ein Wimmelbuch, das zum Erzählen anregt.
Geschichten aus der U-Bahn. Vom Rathaus Neukölln bis zur Berliner Straße folgt der Betrachter in Sabine Knaufs Bilderbuch Mücke,...Abbildung: Sabine Knauf

Mücke, ich muss eine Stunde weg, kannst Du bitte auf den Floh aufpassen?“ Na klar tut Mücke, die eigentlich Mügé heißt, der Mama von Florian den Gefallen – und zeigt ihm auch gleich, wie man mit der U-Bahn zur Schule fährt. Schon sind beide mittendrin im Berliner Untergrund-Gewimmel. Wer da alles in den Zug steigt! Verliebte Teenager, Straßenmusiker, Touristen, Schulkinder, Obdachlose, mäkelnde Mütter und einsame Rentner. Mücke macht sich über alle so ihre eigenen Gedanken – und Floh hat zur Sicherheit seine Taschenlampe dabei. „Die brauchen wir doch, wenn’s dunkel wird!“

„Einsteigen bitte! Mücke und Floh fahren U-Bahn“ (Sabine Knauf, Jacoby & Stuart, Berlin 2015, 32 Seiten, 14,95 Euro, fünf bis sieben Jahre) heißt das querformatige Comic-Bilderbuch der Zeichnerin Sabine Knauf, die im zweiten Beruf als Ärztin an einem Berliner Krankenhaus arbeitet und, wie sie hinten im Buch verrät, eine U-Bahn niemals ohne Skizzenbuch betritt.

Vom Rathaus Neukölln bis zur Berliner Straße folgt der Betrachter Mücke, Floh und den anderen Fahrgästen, über die man von Bild zu Bild mehr erfährt, sodass sich viele kleine Geschichten entspinnen und miteinander verweben.

Da trifft die Gitarrenlehrerin ihren Schüler, der sich eben noch krankgemeldet hat und nun munter mit dem Skateboard heranrollt. Worüber reden Yeliz und ihre Freundin nur die ganze Zeit am Telefon? Und die da drüben, mit dem mintgrünen Blazer und dem akkuraten Haarschnitt, ist das nicht ...?

Sabine Knauf macht mit „Einsteigen bitte!“ einmal mehr das Besondere im Alltäglichen sichtbar, nachdem sie in ihrem Buch „Badeschaum und Shrimps“ verlorene Einkaufszettel als Inspiration für ihre Zeichnungen nutzte. Dass andere Leute U-Bahn-Fahren langweilig finden und „die ganze Zeit nur mit dem Handy rummachen“, kann auch Mücke nicht verstehen.

Und spätestens nach der Lektüre dieses Comics wird es einem genauso gehen. Mittendrin im Leben sitzt – oder steht – man schließlich in so einem voll besetzten Waggon. Immer neue Details entdeckt der aufmerksame Leser. Bis plötzlich das Licht ausgeht und endlich Flohs Taschenlampe zum Einsatz kommt!

Schöne Idee: Am Ende lernt man einige Protagonisten in kleinen Steckbriefen kennen – und macht sich bewusst, dass hinter jedem Gesicht in der U-Bahn ein Menschenleben steckt.

Weitere Rezensionen finden Sie auf unserer Themenseite.

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