Kultur : Aber bitte mit Sahne!

Daniela Sannwald

Andy Warhols war obsessiv fasziniert von der technischen Reproduzierbarkeit des Kunstwerks - und das verband ihn mit der als Kultstar des Undergrounds verehrten Brigid Berlin. Das "Chelsea Girl" ist die Heldin des biografischen Dokfilms "Pie in the Sky", der Interviews mit der inzwischen 60-Jährigen und ihren Freunden mit Archivmaterial kompiliert. Zeitlebens war Brigid Berlin zwischen Extremen hin und her gerissen. Selbstironisch, schlagfertig und bösartig erzählt sie von den reichen Eltern, von Andy Warhol, den Freunden - und ihrem Kampf gegen die allzu schmackhaften Key Lime Pies: Wenn die Gier sie überfällt, verschlingt sie binnen Minuten davon gleich zwei - dazu eine Dose Sprühsahne.

50 Pfund runter, 50 Pfund rauf: Brigid Berlin fraß und fastete sich durch die Dekaden; und dass sie sich beides leisten konnte, lag an ihrer Herkunft aus einer Park-Avenue-Familie. Den Karriere-Druck, dem sie schon früh ausgesetzt war, spürt man, wenn sie giftig und eloquent ihre Mutter imitiert. Doch auch im Underground des Village kompensierte sie ihn nicht wirklich: Besessen malträtierte sie ihren Körper, den sie später auch zu ihren berühmten "tit print"-Performances benutzte.

Auch nähren die von der wilden Brigid Berlin schwärmenden Freunde den Verdacht, dass sie in der Factory womöglich ein ähnlich patriarchales Gefüge wie im Elternhaushalt vorfand. Warhol etwa profitierte von ihren Ideen, ohne das je zuzugeben. So avanciert "Pie in the Sky" zum grundlegenden Film über die New Yorker Szene der sechziger Jahre.

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