Kultur : Abrüstung: Zwei Starts und noch nicht am Ziel - Die wichtigsten Abkommen

Torsten Hampel

Die atomare Abrüstung ist verbunden mit den prominenten Namen bedeutender Verträge. Eine Dokumentation der wichtigsten Stationen auf dem Weg zu kleinen Arsenalen.

Der Start I-Vertrag aus dem Jahr 1991 schreibt die Reduzierung strategischer Kernwaffen in Russland und den Vereinigten Staaten um ein Drittel vor - "Start" steht für Strategic Arms Reduction Talks. (Als strategische Waffen gelten Atomraketen, die vom eigenen Territorium aus das des Gegners erreichen können. Die von der Reichweite abhängige Einordnung einer Rakete als strategische Waffe wurde ursprünglich von der Entfernung der Gegner im Kalten Krieg bestimmt, den USA und der Sowjetunion. Raketen, die strategische Waffen waren, mussten also mindestens 5500 Kilometer weit fliegen können.) Russland und die USA haben bei den Start I-Verhandlungen im Juli vor zehn Jahren vereinbart, sich bis zum Dezember 2001 auf jeweils 1600 Trägerraketen und 6000 Sprengköpfe zu beschränken. Schon heute - ein halbes Jahr vor Ende der Vertragslaufzeit - haben beide Länder weniger Trägerraketen, als vorgeschrieben.

Der Start II-Vertrag ist im Januar 1993 vom US-Präsidenten George Bush und seinem russischen Kollegen Boris Jelzin unterzeichnet worden. Beide Länder vereinbarten eine Abrüstung ihrer Atomwaffen, die weiter geht als im Start I-Vertrag festgelegt. Den USA werden 3500 Sprengköpfe zugestanden, Russland 3000. Das ist ein Drittel des Bestandes von 1991. Start II verbietet darüber hinaus alle landgestützten Interkontinentalraketen mit Mehrfachsprengköpfen und untersagt die Modernisierung von Atomwaffen. Die anfangs festgelegte Frist zur Zerstörung der Waffen (bis Januar 2003) ist nachträglich auf 2007 verlängert worden. Es soll aber dabei bleiben, sie bereits zum ursprünglichen Termin im Jahr 2003 außer Betrieb zu nehmen.

Der ABM-Vertrag: Eine Voraussetzung für die Start-Verträge - die technische und zahlenmäßige Ebenbürtigkeit der Atomwaffen der Großmächte nämlich - schuf der amerikanisch-sowjetische Vertrag über die Begrenzung von Raketenabwehrsystemen (Treaty on the Limitation of Anti-Ballistic Missile-Systems), besser bekannt unter der Bezeichnung ABM-Vertrag. Der Vertrag vom Mai 1972 untersagt beiden Ländern die Einrichtung einer flächendeckenden Raketenabwehr. Die Idee: Auf jeden Atom-Angriff folgt der Gegenschlag; wer keine Raketenabwehr hat, also weiß, dass er die Revanche nicht überleben wird, der greift auch nicht an.

Der Atomteststopp-Vertrag ist unter mehreren, in den vergangenen 40 Jahren beschlossenen Testverboten das am weitesten gehende. Das Abkommen von 1996 verbietet weltweit alle Atomtests, unabhängig von der Sprengkraft der Testbomben und davon, ob sie über oder unter der Erde gezündet werden. Bisher haben 160 Staaten den Vertrag unterzeichnet. Er kann allerdings erst in Kraft treten, wenn alle Staaten, die Kernwaffen besitzen oder vorhaben, sich welche anzuschaffen, den Vertrag in nationales Recht umsetzen. Unter anderem die Vereinigten Staaten, China und Israel weigern sich bis heute, das zu tun.

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