Kultur : Absagen: Akademie sucht Präsident

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Ein Nachfolger für Adolf Muschg als Präsident der Berliner Akademie der Künste ist auch einen Monat vor der nächsten Mitgliederversammlung nicht in Sicht. „Die Suche geht intensiv weiter. Es gab und gibt Gespräche in der ganzen Republik, aber es sind schwierige Voraussetzungen für einen neuen Präsidenten, der die Akademie aus den negativen Schlagzeilen herausbringen soll“, sagte Präsidialsekretär Hans-Gerhard Hannesen. Viele Künstler hätten eine „gewisse Scheu“ vor einem leitenden Amt.

Muschg war im Dezember aus Protest gegen die seiner Meinung nach ungenügende Reformwilligkeit der Akademie zurückgetreten. Seitdem steht die Akademie in der öffentlichen Kritik. Die Debatte richtet sich gegen den mit vielen Mängeln behafteten Neubau am Pariser Platz und das Erscheinungsbild der über 300-jährigen Institution. Literaturnobelpreisträger Günter Grass, der in den achtziger Jahren an der Spitze der Künstlersozietät stand, hat Verständnis für den Rücktritt Adolf Muschgs geäußert und die Akademie als „dringend reformbedürftig“ bezeichnet. Peter Härtling steht für eine Kandidatur für das Präsidentenamt nicht zur Verfügung. Er will zudem von seinem Posten als Direktor der Abteilung Literatur zurücktreten. „Der neue Akademie-Präsident muss auch durch einen ganz erneuerten Akademie-Senat gestärkt werden“, sagte der 72-jährige Autor, der seit 1984 die Literatur-Abteilung leitet. „Ich bin viel zu lange auf dem Posten. Es war eine schöne und aufregende Zeit. Jetzt sind andere Erwartungen da.“

Ebenso soll es Härtlings Schriftstellerkollege Christoph Hein abgelehnt haben, neuer Präsident zu werden. Im Gespräch waren auch der niederländische Schriftsteller Cees Nooteboom und der Kameramann Michael Ballhaus. Dagegen soll der Komponist und Leiter der Münchner Musica Viva Udo Zimmermann zur Kandidatur bereit sein. Tsp/dpa

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