Kultur : Abschiedsgruß

Brillant: Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach.

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Dirigent Helmut Haenchen. Foto: G. Mothes
Dirigent Helmut Haenchen. Foto: G. Mothes

Mit nur zwei einsamen Geigen haben die Musiker des Carl-Philipp-Emanuel-Bach- Kammerorchesters ihren Leiter Hartmut Haenchen auf dem Podium des Kammermusiksaals stehen lassen – doch zum Applaus sind sie alle wieder da. Kein Wunder: Denn Haydns Abschiedssymphonie ist ja nur der Auftakt zu einer ganzen Abschiedsaison, bei der noch jede Menge Töne auf das 1969 gegründete Ensemble zukommen. Dabei beweisen die Musiker eindrücklich, dass sich der künstlerische Ansatz des Orchesters keinesfalls überlebt hat.

In den achtziger Jahren, als das Musizieren auf „Originalinstrumenten“ langsam salonfähig wurde, hatte Haenchen das auf konventionellen Instrumenten musizierende Ensemble auf Musik der frühen Klassik und insbesondere die Werke des zweitätesten Bachsohns spezialisiert. Was damals als Pioniertat weit über die Grenzen der DDR ausstrahlte, ist heute nicht veraltet, sondern klassisch geworden. Warum, das hört man insbesondere an Carl Philipp Emanuel Bachs Sinfonien, von denen an diesem Abend zwei reich besetzte „Berliner“ und eine der experimentellen „Hamburger“ Sinfonien gegeben werden. Anders als es bei der übermächtigen Originalklangkonkurrenz der Fall ist, wird hier nichts kratzbürstig aufgeraut, werden Rhythmen nicht künstlich hochgejazzt und muss sich die französische Revolution nicht in jedem Sforzato ankündigen. Stattdessen erlebt man einen lebendig phrasierten, dynamisch reich schattierten und auch einmal zu duftigen Kantilenen fähigen Carl Philipp Emanuel, dessen Werk auch formal auf Augenhöhe mit und als logisches Bindeglied zwischen Vater Bach und Papa Haydn erscheint: Ein Klassiker, den man diese Saison nicht verpassen sollte. Carsten Niemann

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