Abschiedsstimmung : In the Mood

Zurzeit liegt viel Abschied in der Luft, das ist seltsam, diese Melancholie, dieser Wehmutswind, der die Gewitterwolken dieser Tage vor sich her treibt. Und es liegt nicht nur an den Toten des Jahres. Ein Finale von Christiane Peitz.

Christiane Peitz

Nun aber schnell. Aufräumen, wegschaffen, zusammenpacken. Ist ja die Zeit, so kurz vor den Ferien. Die Zeugnisse sind ausgegeben, auch die Regierung kriegt ihre Noten, die Buchbranche, die Filmindustrie, die Musikstadt Berlin, die Bühnen, der Kulturstaatsminister, alle Welt zählt Countdown, zieht Bilanz, bittet zur Finissage. Das Deutsche Theater zum Beispiel. Nimmt Abschied von der Ära Reese und Wilms (bevor sich im Herbst Ulrich Khuon auf den Intendantenstuhl setzt) und lädt am Sonnabend zum Finale seiner „Finale“-Reihe: mit der allerletzten Vorstellung von Michael Thalheimers Kult-Inszenierung von „Emilia Galotti“. Ach, Regine Zimmerman! Nina Hoss, Sven Lehmann, seufz! Am Schluss tanzen alle Tango, in the mood for Adieu.

Im Anschluss an Lessing gibt es Live-Ausschnitte aus 44 Inszenierungen der letzten acht Jahre. Das wäre schön, wenn auch die Große Koalition vor dem Wahlkampf eine Best-of-Show von vier Jahren Merkel und Co. hinlegen könnte. Egal, die Saison ist vorbei. Wird der Sommer nun groß?

Zurzeit liegt überhaupt viel Abschied in der Luft, das ist seltsam, diese Melancholie, dieser Wehmutswind, der die Gewitterwolken dieser Tage vor sich her treibt. Und es liegt nicht nur an den Toten des Jahres, an Jürgen Gosch, Pina Bausch, Michael Jackson. Es ist auch keine Verzweiflung, bloß eine undeutliche Stimmung, die das Lachen dämpft oder es verkrampft klingen lässt. Krise und Krankheit, Insolvenz und Hoffnung und Trotz und Talsohlen-Durchhaltereden, und vom Himmel fallen die Flugzeuge, einfach so, gleich zwei nacheinander, das gab es noch nie.

Also bitte ein Fest, eine Sause, dann ist Pause. Ein allerletztes Mal hat der King of Pop ein geniales Gespür für Timing bewiesen und der Welt eine riesengroße Abschiedsparty beschert. Pünktlich vor den großen Ferien.

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