Academy of St. Martin in the Fields : Britischer Dirigent Neville Marriner gestorben

Eine unscheinbare Kirche am Trafalgar Square in London ist Namensgeber des berühmten Orchesters Academy of St. Martin in the Fields. Der Gründer Neville Marriner starb jetzt mit 92 Jahren.

Gründer der Academy of St. Martin in the Fields: Neville Marriner.
Gründer der Academy of St. Martin in the Fields: Neville Marriner.Foto: Juan Carlos Hidalgo/dpa

Der britische Dirigent und Violinist Neville Marriner ist tot. Marriner starb am Sonntag im Alter von 92 Jahren, wie das von ihm gegründete Orchester Academy of St. Martin in the Fields in London mitteilte. Marriner, der von Königin Elizabeth II. in den Adelsstand erhoben wurde, hatte die Academy 1958 ins Leben gerufen. Ihr musikalischer Leiter blieb er bis 2011.

Marriner überredete einst mehrere Kollegen, zusammen mit ihm in einer Kirche aus dem 18. Jahrhundert in London Konzerte zu geben. Die Academy war geboren. Doch die Konzerte waren anfangs schlecht besucht. Der Durchbruch gelang Marriner und seinem Kammerorchester 1970 mit einer Aufnahme von Antonio Vivaldis "Vier Jahreszeiten". Damit reiste das Orchester um die ganze Welt.

Marriner formte die Gruppe zu einem herausragenden Ensemble, das Musik aus verschiedenen Epochen spielte. Zu seinen erfolgreichsten und bekanntesten Aufnahmen gehört die Filmmusik zu Milos Formans Oscar-prämiertem Mozart-Film "Amadeus" (1984), die sich 6,5 Millionen Mal verkaufte.

Der am 15. April 1924 im ostenglischen Lincoln geborene Marriner, studierte am Royal College of Music und am Pariser Konservatorium. Seine Karriere begann er als Violinist beim London Symphony Orchestra. Nach einem Studium in den USA wandte er sich 1969 dem Dirigieren zu. In den USA gründete Marriner das Los Angeles Chamber Orchestra. 1979 wurde er zum musikalischen Leiter des Minneapolis Symphony Orchestra berufen, später auch Chefdirigent des Radio-Sinfonieorchesters (RSO) Stuttgart.

Noch wenige Tage vor seinem Tod stand Marriner am Pult bei einem Konzert im italienischen Padua. "Ich würde sterben", sagte er einmal der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", "wenn ich aufhören würde zu dirigieren." Mit 90 Jahren leitete er sogar als ältester Dirigent die Sommerkonzertreihe "Proms" in der Londoner Royal Albert Hall.

Sein Nachfolger am Pult der Academy, der US-Violinist Joshua Bell, würdigte den Verstorbenen als einen der "außergewöhnlichsten Menschen, die ich gekannt habe". Marriner habe sich durch "Brillanz", "Integrität" und "Humor" ausgezeichnet. (AFP, dpa)

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