Kultur : Ach du Shrek!

Schildkröten und Stinktiere: In „Ab durch die Hecke“ stehen Waldtiere unter Zivilisationsschock

Nadine Lange

Und plötzlich steht ein grünes Monstrum im Wald. Nein, es ist nicht Shrek, der grummelige Oger. Mit dem könnte man sich vielleicht noch arrangieren. Das hier ist viel schlimmer: ein eckiges Hindernis, das nirgendwo zu endet scheint und so hoch ist wie die Berliner Mauer. Geschockt stehen Schildkröte Verne, Eichhörnchen Hammy, Stinktier Stella, Opossum Ozzie und Tochter Heather sowie die fünfköpfige Stacheltierfamilie vor einer gigantischen Hecke, die während ihres Winterschlafes gepflanzt wurde.

Wo sollen wir denn jetzt bloß Vorräte sammeln, fragen sich die Tierchen verzweifelt. Da springt ein Waschbär aus der Hecke: Richie, das Großmaul mit der Golftasche auf dem Rücken, überredet sie, auf die andere Seite zu krabbeln – dort soll’s mehr und besseres Futter geben, als sie sich im schönsten Winterschlaf je erträumt haben. Also besuchen die Waldbewohner ihre neuen Nachbarn in der sterilen Vorortsiedlung, und schon führt Richie sie in die Genüsse von Junkfood und Softdrinks ein.

Basierend auf einem Comic haben die Macher von „Shrek“ und „Madagaskar“ einen weiteren Tieranimationsfilm geschaffen, der genretypische Elemente in großer Zahl aufbietet: detailreiche Hintergründe, süße Protagonisten, durchgeknallte Action-Szenen und für die Erwachsenen einige Anspielungen und Filmzitate. Trotzdem ist „Ab durch die Hecke“ ein eher lauer Spaß. Ermüdend etwa das Hin und Her zwischen Wald und Siedlung, das auch durch steigende Schwierigkeitsstufen beim Taco-ChipsDiebstahl nicht sonderlich aufgepeppt wird. Zudem eignen sich die Charaktere zum Mitfiebern nur beschränkt: Richie ist ein verschlagener Unsympath, der das Sammeltalent der Waldtiere nur ausnutzt und seinen Gegenspieler Verne mit Reden über Familienwerte nervt – als wollte er sich geradewegs um einen republikanischen Sitz im Kongress bewerben. Verglichen mit den Streitereien von Faultier und Mammut in „Ice Age 1+2“ oder der Krise zwischen Löwe und Zebra in „Madagaskar“ ist der Konflikt zwischen den beiden arg dröge geraten.

Enttäuschend flach auch die menschlichen Figuren: Gladys, die Hauptgegenspielerin der Tiere, zeigt sich ausnahmslos als kreischende Zicke. Lachen kann man über sie genau so wenig wie über den von ihr angeheuerten Verminator, eine Art Kammerjäger. Mit seinem Pseudo-Superheldenkostüm über dem dicken Bauch erinnert er zwar an den Vater der „Unglaublichen“, erreicht allerdings nie auch nur annähernd dessen Witz.

Zum Glück ist da aber noch das hyperaktive Eichhörnchen Hammy, das mit seinen wahnwitzigen Wuseleien immer wieder für Abwechslung sorgt. Ihm gehört auch die beste Szene des Films: Durch ein koffeinhaltiges Getränk wird Hammy auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und legt ein kompliziertes Überwachunssystem lahm. Dargestellt wird das alles in Hyperslow-Motion – der einzige wirklich originelle Regieeinfall von „Antz“-Macher Tim Johnson, der die Story zusammen mit Karey Kirkpatrick inszenierte. So werden einem die 83 Minuten „Ab durch die Hecke“ zumindest nicht gar zu lang.

In 27 Berliner Kinos, OV im Cinestar

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