Kultur : Achteinhalb

-

SOTTO VOCE

Jörg Königsdorf freut sich, endlich einmal keine Wahl zu haben

Nie war es einfacher als jetzt, sich für den Besuch eines klassischen Konzerts zu entscheiden. Denn bis Ende August heißt es meistens, entweder zu young.euro.classic zu gehen oder ganz Zuhause zu bleiben. Hie und da blinkt vielleicht noch einmal eine Sonntagsmatinee im MusikinstrumentenMuseum (diese Woche mit dem niederländischen Van Dingstee Kwartet ) oder ein bescheidenes Benefiz-Konzert – etwa das Debüt des Kreuzberger New Sagittarius Consort in der Französischen Friedrichstadtkirche (Samstag) und der Kreuzberger Liebfrauenkirche (Sonntag) mit ein paar schönen Händel-Kantaten zugunsten der Fakultät „Alte Musik“ des Moskauer Konservatoriums. Aber sonst beherrscht das europäische Jugendorchestertreffen im Konzerthaus konkurrenzlos die Szene.

Gehört wird also, was auf den Tisch kommt, und das ist zum Glück auch diesmal durchweg gehobene Kost. Einmal von den Werken her: Erstens nehmen die Orchester auch im vierten Jahr durchweg ihren Auftrag ernst, nicht nur Highlights der romantischen Sinfonik zu spielen, sondern auch zeitgenössische Kompositionen unters Volk zu bringen. Und zweitens gibt es auch im klassischeren Programmteil etliche Werke, um die die Profiorchester sonst einen Bogen machen. Wann etwa hätte man Elgars zweite Sinfonie hier zuletzt gehört? Das Gastspiel des National Youth Orchestra of Scotland am Sonntag gibt dazu Gelegenheit. Wie oft stand Griegs hübsche c-moll-Sinfonie in den letzten Jahren auf den Konzertprogrammen? Am Montag kann man sie hören, gespielt vom Sinfonieorchester der Litauischen Musikakademie.

Andererseits ist aber auch die Liste der prominenten Dirigenten und Solisten, die mit dem Nachwuchs zusammenarbeiten, in diesem Jahr so beeindruckend wie schon lange nicht mehr. Der Stuttgarter Chefdirigent Lothar Zagrosek , hier noch durch seinen bejubelten „Idomeneo“ an der Deutschen Oper in bester Erinnerung, beispielsweise leitet gleich morgen Abend die Junge Deutsche Philharmonie, Pultstars wie Ingo Metzmacher (18.8.), Jukka-Pekka Saraste (19.8.) und, allerdings vom Nachzüglertermin (31.8.) und den erhöhten Eintrittspreisen her, sogar Einheitsdirigent Kurt Masur sind ebenso dabei wie der Supertrompeter Hakan Hardenberger (10.8.), der Pianist Cyprien Katsaris (15.8.) und der griechische Geiger Leonidas Kavakos, der erst vor kurzem sein erfolgreiches Debüt bei den Berliner Philharmonikern absolvierte (18.8.). Und bei nach wie vor äußerst moderaten Kartenpreisen von 8,50 Euro nimmt man auch die oft eher hilflosen Reden der Promipaten in Kauf, die vor jedem Konzert irgendetwas über ihre persönliche Beziehung zu dem Heimatland des jeweiligen Orchesters oder über klassische Musik so ganz im Allgemeinen erzählen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben