Kultur : Adele und die Folgen

Vier Mal Klimt bei Christie’s

Matthias Thibaut

Der Herbst verspricht kapitale Kunstmarktransaktionen. Christie’s wurde mit dem Verkauf der noch übrigen restituierten Klimts aus dem jahrelang umstrittenen Bloch-Bauer Nachlass beauftragt. Das teilte das Auktionshaus in New York mit, gut eine Woche, nachdem es die Versteigerung von Kirchners restituierter Berliner Straßenszene bekannt geben konnte (Tagesspiegel vom 11. August) .

Der Gesamtwert der vier Klimt-Bilder beträgt nach Expertenschätzungen mindestens 100 Millionen Dollar. Von einer Versteigerung und Schätzungen ist zunächst allerdings nicht die Rede. Christie’s will den Sammlern erst einmal die Augen wässrig machen und wartet nun ab, ob Angebote eingehen. Ronald Lauder, der für das Porträt „Adele Bloch Bauer I“ von 1907 aus dem Block bereits 135 Millionen Dollar bezahlte, ließ die „New York Times“ wissen, dass er auch an „Adele II“ von 1912 interessiert wäre, „sofern der Preis stimmt“. Sein New Yorker Neues Museum zeigt die gesamte Bloch-Bauer-Gruppe zurzeit unter großem Publikumsansturm.

„Adele II“ wird wesentlich günstiger, aber keinesfalls billig werden. Der Aktionshöchstpreis für Klimt stammt aus dem Jahre 2003 und beträgt knapp 30 Millionen Dollar. Das farbenfrohe Bild, auf dem man Adele als selbstbewusste Wienerin im Straßenkleid sieht, wird mindestens in diesem Preisbereich liegen. Drei weitere Gemälde zeigen Landschaften: „Häuser in Unterach am Attersee“ von 1916, „Apfelbaum I“ von 1912 und „Buchenwald (Birkenwald)“ von 1903. Sollten sie zur Auktion gelangen, werden sie alle Top-Schätzungen haben.

Im Januar hatte ein Schiedsgericht die fünf erst von den Nazis gestohlenen, dann vom österreichischen Staat aus dem Bloch-Bauer-Nachlass „erpresserisch“ angeeigneten Bilder der Erbengruppe zugesprochen, die von der 84-jährigen Nichte Ferdinand Bloch-Bauers vertreten wird. Adeles Ehemann Ferdinand vermachte ihr ein Viertel seines Nachlasses. 50 Prozent gehen an die Erbin von Marias verstorbener Schwester Louise Baronin Gutmann, weitere 25 Prozent an die Erben ihres Bruders Robert Bentley.

In deutschen Zeitungen wurde der unsentimental schnelle Weiterverkauf der Bilder gerügt. Doch restituierte Kunst bleibt aus ganz prosaischen Gründen praktisch nie im Besitz der Familien. Selten haben die Erben die Voraussetzungen für die Lagerung von Kunst, die in Museen oder große Sammlungen gehört. In vielen Fällen müssen sie auch „Finderlöhne“ zahlen oder sich Abfindungen mit Vorbesitzern teilen. Die Logik des Marktes legt daher einen raschen Verkauf nahe: Der Restitutionsbonus, diese fast mythische Mischung aus musealem Glanz und absoluter Marktfrische, muss eingelöst werden, bevor er sich verflüchtigt.

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