Ägyptisches Museum : Nofretete soll nicht verreisen

Ein privater Verein setzt sich dafür ein, die berühmte Nofretete-Büste an Ägypten auszuleihen. Kulturstaatsminister Bernd Neumann ist gegen diese Pläne, weil die Büste dabei Schaden nehmen könnte.

Berlin - Gegen einen längeren Transport der mehr als 3000 Jahre alten Skulptur bestünden aus Sicht der Fachleute "ernst zu nehmende konservatorische und restauratorische Bedenken", sagte Neumann. Aus diesem Grund sei ein solches Vorhaben "nicht zu verantworten". Unterdessen kündigte der Direktor des Ägyptischen Museums in Berlin, Dietrich Wildung, die Gründung eines Museums für europäische Kunst in Ägypten an. Es solle ein Dank dafür sein, dass europäische Museen fast 200 Jahre lang von dort Kunstwerke erhalten hätten.

Der Verein "Cultur Cooperation" mit Sitz in Hamburg hatte gefordert, die Büste während des Umbaus der Berliner Museumsinsel in Ägypten zu präsentieren. Dieser Wunsch sei 2006 vom Chef der Ägyptischen Antikenverwaltung, Zahi Hawass, geäußert worden, sagte die Geschäftsführerin des Vereins, Anja Kuhr. Eine Ausleihe könne zudem eine Geste sein, Ägypten für viele Ausstellungen in Deutschland in der Vergangenheit zu danken. 2009 soll Nofretete einen eigenen Saal im Neuen Museum beziehen. Laut Neumann war der Erwerb der 1912 in Ägypten von einem deutschen Wissenschaftler geborgenen Nofretete-Büste "seinerzeit rechtmäßig". Ein Rückgabeanspruch bestehe nicht. Daher habe es auch ein offizielles Rückgabeersuchen des ägyptischen Staates "nie gegeben".

Wildung betonte, dass nicht nur konservatorische Gründe gegen eine Ausleihe sprächen. "Was meinen Sie, was in Ägypten an dem Tag los wäre, an dem die Nofretete wieder nach Deutschland zurückreisen soll", sagte er im Deutschlandfunk. Dafür, dass sie das dann auch tatsächlich dürfe und könne, wolle keiner der ägyptischen Kollegen die Garantie übernehmen. Solche Befürchtungen wies Kuhr zurück. Ägypten würde die Rückgabe vertraglich zusichern, sagte sie. Das geplante Museum für europäische Kunst soll nach Angaben Wildungs in Alexandria entstehen. Geplant sei es als europäisches Projekt. Gespräche mit der italienischen Regierung, die sich beteiligen wolle, habe es bereits gegeben. (tso/ddp)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben