Kultur : Affe halbtot

Die Berliner Symphoniker stehen weiter vor dem Aus

Christine Lemke-Matwey

Das Ganze ist eine politische Farce – und weiter nix. In einer „Kampfabstimmung“ hat die SPD-Fraktion Dienstagabend das Ende der Berliner Symphoniker besiegelt. Mit 10 zu 15 Stimmen (und Enthaltungen) wurde beschlossen, den Symphonikern ab 2005 „keine weiteren Subventionen zu gewähren“. In der PDS-Fraktion hingegen ist die Entscheidung weiterhin offen. Die Verwirrung sei grenzenlos, so der kulturpolitische Sprecher Wolfgang Brauer. Man wolle das Ende der mit der Deutschen Orchestervereinigung (DOV) geführten Tarifverhandlungen abwarten, hieß es, und deren Frist liefe erst am 31. März ab (Tagesspiegel vom 13.3.). Parallel dazu wird heute im Plenum des Abgeordnetenhauses der Haushalt für 2005 verabschiedet. Darin tauchen die Symphoniker immerhin mit symbolischen 100 Euro auf.

Das bedeutet: Es ist nach wie vor nicht klar, ob sich die Musiker mit ihrer Rückkehr von einer dreiwöchigen Japan- Tournee am 12. Juli in die Arbeitslosigkeit verabschieden müssen oder nicht. Die Affäre bringt also vor allem eines an den Tag: das Desinteresse der SPD-Kulturpolitik an einer substanziellen Lösung. Der regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sprach gestern von einer „schmerzlichen, aber notwendigen Strukturentscheidung“ und kritisierte offen die Verhandlungspraxis von Kultursenator Thomas Flierl (PDS). Flierl – der sich seit Dienstag im Krankenstand befindet – hatte sich zuletzt optimistisch gezeigt. Nachdem der Solidarbeitrag der DOV (erbracht von der Staatsoper, der Deutschen Oper, der Komischen Oper sowie vom Berliner Sinfonie-Orchester) auf 1,2 Millionen runterverhandelt worden war (nötig sind 3,3 Millionen), schob der Kultursenator Restsumme und schwarzen Peter kurzerhand dem Parlament zu. Monika Grütters (CDU) nannte den Vorgang „unglaublich“: Er zeige, dass Flierl mangels Unterstützung im Senat nicht handlungsfähig sei. Alice Ströver (Bündnis 90/Die Grünen) sprach von „kulturpolitischem Frevel“.

Dies also ist die Klinge, über die die Symphoniker jetzt springen sollen – falls die Fortsetzung der Tarifverhandlungen kein anderes Ergebnis präsentiert. Um das herbeizuführen, könnte es sich seitens der Gewerkschaft lohnen, vorsichtig bei den Berliner Philharmonikern anzuklopfen, die bislang nicht mit im solidarischen Boot sitzen. Dann wäre das Schicksal der Symphoniker haushalterisch eben nachzuverhandeln. Und Flierl hätte halbwegs sein Gesicht gewahrt. Und es träfe nicht immer nur die Kleinen.

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