Kultur : Afghanistan: Paschtune muss er sein: Über die Volksgruppen und deren Bedeutung

Bevölkerung: Die letzte Erhebung, die von 1979 stammt und hohe Fehler aufwies, ergab 13,09 Millionen Einwohner. Seitdem herrscht Krieg in Afghanistan. Alle Angaben nach 1979 beruhen auf Schätzungen und sind nicht besonders zuverlässig. Die US-Regierung gab die Einwohnerzahl für 1999 mit 25,8 Millionen an. Insgesamt gab es nach Angaben des UNHCR Ende 2000 rund 3,6 Millionen afghanische Flüchtlinge in aller Welt. Wahrscheinlich sind es viel mehr. Zurzeit sollen allein in Afghanistan zwei Millionen Flüchtlinge versuchen, aus dem Land zu kommen.

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Fotos: Die Ereignisse seit dem 11. September in Bildern Volksgruppen: Genaue Angaben über die ethnische Zusammensetzung in Afghanistan zu finden, ist schwierig. Paschtunen stellen, wiederum nach Angaben der US-Regierung, mit 38 Prozent die größte und bedeutendste Gruppe. Ihre wichtigsten Stämme sind die Durrani, Afridi, Mohmand, Yusufsai, Ghilsai. Sie sind vor allem in den Gebieten entlang der Grenze zu Pakistan konzentriert. Es folgen die Tadschiken mit 25 Prozent, die Hazara mit 19 Prozent, die Usbeken mit sechs Prozent sowie kleinere Gruppen wie Chahar Aimaks, Turkmenen, Baluchen und andere. Andere Quellen gehen von höheren Anteilen der Paschtunen (45 Prozent) und der Tadschiken (28 Prozent) aus.

Paschtunen: Sie bilden die dominierende Gruppe, ohne sie läuft in Afghanistan wenig. Nur zu Zeiten des Afghanistan-Krieges gegen die sowjetischen Truppen schwächte sich ihr traditioneller Einfluss ab, weil sie sich politisch aufsplitterten. Die Taliban sind Paschtunen. Sollten sie zum Beispiel durch einen Militärschlag der USA gestürzt werden, so müsste ein neuer Führer auch Paschtune sein, sonst hätte er langfristig kaum eine Chance. Die Paschtunen sind überwiegend sunnitische Muslime, sie bestehen aus mehr als 50 Stämmen, die sich wiederum in Unterstämme, Clans und Subclans aufteilen. Die Stammesführer besitzen eingeschränkte Macht. Wichtige Angelegenheiten werden durch den Ältestenrat geregelt. Die Grundprinzipien der Gesetze der Paschtunen sind Gastfreundschaft, Vendetta (Blutrache) und das Recht auf Asyl. Im 19. Jahrhundert gehörten die Gebiete der Paschtunen zu Britisch-Indien und wurden in Selbstverwaltung regiert. Auch im unabhängigen Pakistan gelten weitgehende Autonomievereinbarungen für die Paschtunen, die wiederum von den Paschtunen in Afghanistan nicht akzeptiert werden. Sie fordern, wie auch die regierenden Taliban, die Einführung des islamischen Rechts, der Scharia.

Volksvertretung: Seit der Machtübernahme der Taliban existiert weiterhin keine Volksvertretung im eigentlichen Sinne. Auch zuvor bestand seit Auflösung der Meli Shura - der Nationalversammlung mit einem Zweikammerparlament - nach dem Sturz der Regierung im Jahre 1992 keine gewählte und repräsenative Volksvertretung. Nach dem Staatsstreich 1978 wurde die Verfassung von 1977 außer Kraft gesetzt. Die aktuelle Verfassung von 1987, die 1990 noch einmal ergänzt wurde, hat die so genannte Loya Jirga verabschiedet, die oberste Nationalversammlung der Stammesführer.

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