Kultur : Afrika und Aids: Der Kontinent leidet - Was Aids in Afrika anrichtet

Fatina Keilani

Die Einigung im Rechtsstreit um die Medikamente bedeutet für Millionen aidskranker Südafrikaner Hoffnung, aber keine Heilung. Denn die Medikamente sind lebenserhaltend, können aber nicht wieder gesund machen. Um die Epidemie wirksam anzugehen, wäre ein flächendeckendes Vorsorge- und Aufklärungsprogramm nötig, wie es bis heute nicht im Lande existiert. Im Folgenden einige Zahlen und Daten zum Thema Aids in Afrika und darüber hinaus.

Der kranke Kontinent. Von allen Gegenden der Erde ist Afrika südlich der Sahara am stärksten von Aids betroffen. Hier lebten Ende des vergangenen Jahres 25,3 Millionen Menschen mit der Immunschwächekrankheit. Weltweit sind 36,1 Millionen infiziert. Das heißt, mehr als zwei Drittel aller Menschen, die mit Aids infiziert oder daran erkrankt sind, leben in Afrika. Allein im Jahr 2000 steckten sich dort nach Angaben der Vereinten Nationen 3,8 Millionen Menschen neu an, weltweit waren es 5,3 Millionen.

Todesurteil Aids. Es gibt viele Faktoren, die die schnelle Ausbreitung der Epidemie begünstigen. Die Ernährungslage ist schlecht, ebenso der Gesundheitszustand der Menschen. Breite Schichten sind verelendet, familiäre Bindungen lösen sich auf. Das Sexualverhalten und das Fehlen von Präventionsprogrammen und Kondomen verstärken den Effekt. Derzeit tragen 8,8 Prozent aller Erwachsenen in Afrika das Virus in sich. Nur vereinzelt ist es Staaten gelungen, die Infektionsraten zu senken - zum Beispiel Uganda. Anders als in Europa, wo Aidspatienten dank teurer Medikamente inzwischen lange überleben, kommt die Krankheit in Afrika noch immer einem Todesurteil gleich.

Wirtschaftsfaktor Aids. In Südafrika wird die Epidemie das jährliche Wirtschaftswachstum um schätzungsweise 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte verringern. Im Jahr 2010 wird nach UN-Angaben das Bruttoinlandsprodukt um 17 Prozent unter dem Wert liegen, der ohne Aids zu erwarten gewesen wäre. Der Wirtschaft Südafrikas werden 22 Milliarden US-Dollar entzogen.

Es trifft die Jungen. Von den heute 15-Jährigen wird jeder Dritte an Aids sterben. Das haben die UN im Rahmen ihres Aids-Programms UNAIDS errechnet. Die Schätzung bezieht sich auf acht afrikanische Staaten. So wird Aids zugleich ein Entwicklungshemmnis, denn es infiziert sich vor allem die junge, also die wirtschaftlich aktive Generation.

Die Rolle der Männer. Seit Beginn der Epidemie sind 21,8 Millionen Menschen an den Folgen von Aids gestorben. Außer im südlichen Afrika sind überall auf der Welt mehr Männer als Frauen infiziert. Männer können durch ihr Verhalten Entscheidendes bei der Prävention von Aids bewirken. Männliches Verhalten ist eine Hauptursache für HIV-Infektionen bei Frauen. Frauen haben oft weniger Macht zu bestimmen, wo, wann und wie Sex stattfindet. Beschneidung scheint einen gewissen Schutz zu bieten: In Ländern, in denen alle Jungen beschnitten werden, ist die Epidemie sehr begrenzt. In anderen Ländern haben beschnittene Männer seltener Aids als Nichtbeschnittene.

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