Kultur : Afro-Blues: Mangopflücker

Roman Rhode

Afel Bocoum stammt aus Niafunké, einem kleinen Dorf in Mali. Es liegt an einer Flussbiegung des Niger, am Rand der Sahara. Dort lebt auch Ali Farka Touré, der 1995 zusammen mit Ry Cooder das Album "Talking Timbuktu" aufnahm und dafür einen Grammy erhielt. Doch inzwischen hat sich der Gitarrist und Sänger, der als höchster Vertreter des afrikanischen Blues gehandelt wird, aus dem Musikgeschäft zurückgezogen und bewirtschaftet nur noch seine Felder. Nun treibt Afel Bocoum, Neffe und langjähriger Mitstreiter Farka Tourés, die Saat des Meisters zu neuer Blüte. In der Sprache der Sonrai bedeutet "Niafunké" soviel wie "Kinder derselben Mutter": Im Pfefferberg, wo Bocoum mit seiner Band aus Saiteninstrumenten und Kalebassen auftritt, wird offenbar, wie stark Niger und Mississippi durch die Kommunizierenden Röhren des Blues verbunden sind. Obwohl Bocoum und seine Männer zu Hause Mangos ernten, atmen die langsamen Lieder die bittersüße Schwermut von Baumwollpflückern. Und der Rhythmus folgt dem ruhigen, wogenden Gang eines nicht minder mächtigen Flusses. Mit seiner warmen, hohen Stimme erzählt Bocoum Geschichten aus dem dörflichen Leben und reißt dazu die Saiten seiner Gitarre an, von denen herbe Melodien perlen. Wie ein Chor antwortet ihm die kleine Njarka-Kürbisfidel, die manchmal wie eine Hirtenflöte klingt. Mehr noch als Ali Farka Touré kultiviert Afel Bocoum das Understatement seiner schlichten, facettenreichen und tiefgründigen Musik. Hier zeigt sich Weltmusik im besten Sinne des Wortes: Ungebrochen von den Metropolen der Plattenindustrie tritt sie dennoch über die Ufer eines mächtigen Stroms.

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