Agententhriller : Ein James Bond für Kinder

David Lindemann bringt mit "Herr Fritz vom Geheimdienst" die Welt der Schurken auf die Bühne.

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Der Retter. Stefan Kowalski ist „Herr Fritz vom Geheimdienst“.
Der Retter. Stefan Kowalski ist „Herr Fritz vom Geheimdienst“.Foto: Christian Brachwitz

Die zwölf reichsten Männer und Frauen der Welt sehen aus wie Schurken. Sind sie auch. Politiker, Industrielle, Ölscheichs, Gewerkschaftsbosse, ganz übler Haufen. Diese Oberbösen, per Videokonferenz von der Jacht oder aus der Villa zusammengeschaltet, haben eine Geheimorganisation gegründet, sie heißt M.O.N.S.T.R.E., und jetzt hecken sie unter Führung einer ominösen Schattenlady einen teuflischen Plan aus, um noch reicher zu werden. Sie wollen die Anzeigentafeln auf Bahn- und Flughäfen in Kauderwelsch verwandeln.

Was in Berlin nicht weiter auffallen würde, aber gut. Nur wer eine eigens entwickelte Entschlüsselungsmaschine kauft, findet sich wieder zurecht. Doch als der erste Störversuch startet, werden die Pläne prompt durchkreuzt. „Schöne Grüße, Herr Fritz vom Geheimdienst“, flimmert stattdessen über die Tafeln.

„Eines Tages hoffe ich, eine Doppelnull zu werden“

Und so heißt auch das Stück, das David Lindemann für das Theater an der Parkaue entwickelt hat: „Herr Fritz vom Geheimdienst“ (wieder 15. und 18. April sowie im Mai).  Als „James Bond für Kinder“ ist der Agenten-Thriller angekündigt, was durchaus trifft. Auch wenn das junge Publikum – empfohlen für Menschen ab 9 – im Zweifelsfall noch nie vom britischen Meister-Spion gehört hat. Und entsprechend nicht lacht, wenn sich Fritzens überambitionierter neuer Sekretär Schimmelpfennig anhören muss: „Sie sind eine Null!“, und daraufhin entgegnet: „Eines Tages hoffe ich, eine Doppelnull zu werden“.

Um trotzdem Identifikationsangebote für die minderjährigen Zuschauer zu schaffen, hat Lindemann die Kinder Selma und Ayse erfunden, die dem organisierten Verbrechen auf die Schliche kommen. Selma ist die Tochter von Herrn Fritz und findet heraus, dass Papa in Wahrheit gar kein braver Lokführer ist. Ayses Mutter dagegen arbeitet als investigative Journalistin und ist somit auf ihre Art auch Profi-Schnüfflerin. Jeder verbirgt etwas, alle haben Geheimnisse.

Thriller mit wirrem Plot

Klar ist das Thema Überwachung und Spionage ziemlich aktuell. Und Oberspielleiterin Katrin Hentschel zieht diesen Krimi im zweigeschossigen Haus voller Jalousien (Bühne: Jens Dreske) schnörkellos spannend und nicht ohne Humor auf. Interessant überhaupt, wie Berlins junges Staatstheater hier mal wieder neue Formen sucht.

Noch schöner wäre es allerdings gewesen, wenn das Stück eine weniger verschachtelt konstruierte, ja sogar nachvollziehbare Geschichte hätte. Aber man merkt Autor Lindemann den gelernten Diskurs-Dramatiker an, der standesgemäß das unterkomplexe Erzählen scheut und Doppelagenten, Maulwürfe und Falltüren in die Metaebene einbaut. Sei’s drum. Es gibt ja auch „James Bond“-Filme mit wirrem Plot.

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