Kultur : "Ai ni ai wo - Betelnut Beauty": Schlaflos in Taipeh

juh

Es gibt eine zauberhafte Szene in diesem Film. Wie ein dunkler See liegt das nächtliche Taipeh in der Ferne. Die Lichter der Großstadt funkeln wie bunte Teelichte, die auf der Oberfläche schwimmen. Feng und Fei-fei stehen auf einem Berg und überblicken die Stadt. Sie reden, wie Verliebte das so tun. Über das Leben und die Zukunft. Dann ist die Szene plötzlich vorbei. Weg, wie ein Traum! Sie hat ein paar Sekunden gedauert. Der Film ist 106 Minuten lang.

Ai ni ai wo - Betelnut Beauty erzählt von der Jugend in Taiwan. Gleich am Anfang des Films verlieben sich Feng und Fei-fei (siehe Bild) im strömenden Regen. Er gewinnt ihr Herz im Sturm, sozusagen. Die Kamera umkreist die nassen Körper dabei, als wollte sie die beiden zusammenschnüren. Doch, ach, das Schicksal wird ihre Bande lösen. Denn die Wege in die Zukunft verlaufen in entgegengesetzte Richtungen. Er ist vom Land in die Stadt gekommen, um reich zu werden und Abenteuer zu erleben. Sie flieht vor ihrer tyrannischen Mutter, will schnellstens weg von zuhaus. Er fängt als Bäcker an in einem heißen Keller. Sie beginnt als Straßenverkäuferin - die Schminke dick, die Kleidung dünn. Feng (Chang Chen aus Ang Lees "Tiger & Dragon") endet als Kleinganove. Fei-fei (gespielt vom asiatischen Popstar Sinje) steigt zum asiatischen Popstar auf. Irgendwann ist der Film dann zu Ende. Was nicht weiter tragisch ist.

Aus der Geschichte hätte was werden können. Da stecken emotionale Konflikte drin, da sind soziale Spannungen im Spiel. Doch "Ai ni ai wo - Betelnut Beauty" geht auf kein Ziel zu, sondern tappt nur recht unentschlossen in der Gegend herum. Als Romanze zu blutleer, als Gangsterstück zu blutarm. Um es mal freundlich zu sagen: Regisseur Lin Cheng-sheng wollte ganz viel Atmospäre einfangen. Anders ausgedrückt: Er wollte alles auf einmal. Und das war zuviel.



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