Ai Weiwei an der Universität der Künste : Herz behalten

Ai Weiwei stellt seine Pläne für die Gastprofessur an der Berliner Universität der Künste vor.

Johannes Metternich
Vater, bald auch Lehrer. Ai Weiwei mit seinem Sohn Lao Ai.
Vater, bald auch Lehrer. Ai Weiwei mit seinem Sohn Lao Ai.Foto: Gregor Fischer/dpa

Nach all den Jahren des Wartens steht er plötzlich im Raum, seinen Sohn an der Hand, und schreitet im Blitzlichtgewitter durch die Pressereihen zum Podium. Auf Momente des staunenden Schweigens folgt die Frage einer Reporterin: „Was haben Sie heute an?“ Fast weht ein Hauch von Roter-Teppich-Atmosphäre durch den Raum. Dabei trägt Ai Weiwei bloß Hemd und Jeans. Für viele ist er längst nicht mehr nur Künstler, sondern Popstar.

Stolz präsentieren Martin Rennert, Präsident der Universität der Künste Berlin (UdK), und Günter Stock, Vorstandsvorsitzender der Einstein Stiftung Berlin, am Montag die Einrichtung einer dreijährigen Einstein-Gastprofessur für den Künstler. Bereits Anfang 2011 boten ihm die Kunsthochschule und die Stiftung, die zehn bis zwölf Millionen Euro im Jahr für Exzellenzförderung ausgibt, die Gastprofessur an. Durch die Verhaftung Ais und den Entzug seines Passes 2011 wurde der Antritt der Professur mehrfach aufgeschoben – aber nicht aufgehoben. Wenige Tage, nachdem Ai im Juli 2015 überraschend seinen Pass von den chinesischen Behörden zurückbekam, befand er sich schon auf dem Weg nach Berlin.

"Ich bin bloß ein Lehrer"

Kein Wunder, schließlich gab es allerlei zutun: In Berlin führte er über den Sommer die Bewerbungsgespräche für die Klasse, die er an der UdK unterrichten wird. Aus 100 Bewerbern wählte Ai schließlich 16 Studenten verschiedener Fachrichtungen aus. Er habe sie befragt nach ihren Träumen und Zielen, ihren Fähigkeiten, ihrem Elternhaus – und zeigte sich beeindruckt vom Wissen vieler Studenten. Entscheidend sei jedoch gewesen, dass niemand ihn nachahmen solle („Ich bin ein Chaot“), es gehe um den eigenen Weg, um Authentizität und um Kunst „nicht als Ziel, sondern als Mittel“.

Das klingt zunächst nach einer Lehre, die das Kunstwerk nicht als ästhetische Kreation, sondern als politisches Instrument auffasst und den Künstler als Aktivisten in die Pflicht nimmt. Ai bestreitet dies jedoch mit überraschender Klarheit: „Ich bin bloß Lehrer an einer Kunsthochschule. Weder werde ich meine Studenten dazu ermutigen, wie ich zu sein, noch sonst irgendeinen Druck auf sie ausüben. Politisches Engagement kann jeder bloß mit sich selbst vereinbaren.“ Betont zurückhaltende Töne, die Ai auch schon in vergangenen Interviews anklingen ließ. Gleichzeitig appellierte er gerade erst an Großbritanniens Premier Cameron, die Menschenrechte nicht wegen des Handels mit China zurückstellen. In Berlin hob er den Stellenwert freier Kommunikation hervor: „Die Menschheit behält nur ihr Herz, wenn sie sich austauscht.“

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