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"Ai Weiwei - Never Sorry" : Ein Film über die Kunst, Türen offen zu halten

13.06.2012 00:00 Uhrvon
Meister der Kommunikation. Alison Klaymans Film „Ai Weiwei – Never Sorry“ läuft ab Donnerstag in 6 Berliner Kinos (OmU). Foto: DCMBild vergrößern
Meister der Kommunikation. Alison Klaymans Film „Ai Weiwei – Never Sorry“ läuft ab Donnerstag in 6 Berliner Kinos (OmU). Foto: DCM

Nächste Woche endet Ai Weiweis Hausarrest. Jetzt startet im Kino ein Dokumentarfilm über Chinas bedeutendsten Gegenwartskünstler und Dissidenten.

Eine der verrücktesten Szenen in diesem Film ist das Eat-in in Chengdu im April 2010. Ai Weiwei hatte via Twitter veröffentlicht, in welchem Lokal er mit seinem Team essen wird. Gerade haben sie Anzeige erstattet bei der Polizei, die den Künstler und Regimekritiker ein Jahr zuvor derart geschlagen hatte, dass er wegen eines lebensgefährlichen Blutgerinnsels in München operiert werden musste. Das Team sitzt an einer Tafel draußen auf dem Bürgersteig, Dutzende Bewohner der Stadt schauen vorbei, junge Leute, die ihm wegen seines Engagements für die Opfer des Erdbebens in der Provinz Sichuan danken. Die Polizei filmt das Geschehen, was wiederum ein Mitarbeiter Ai Weiweis filmt, was ihrerseits die Polizei per Video dokumentiert und so weiter.

Joseph Beuys’ Idee vom Kunstwerk als „sozialer Plastik“ wird hier Realität. Und mehr noch, man begreift, dass Ai Weiweis beharrlicher Kampf für Öffentlichkeit, für freie Kommunikation und Information sich wie ein Virus verbreitet, von Peking über die Documenta 2007, zu der er mit 1001 Chinesen anreiste, bis in die Provinzen des Riesenreichs. Selbst die Polizisten steckt er an, auch wenn die sich aus anderen Gründen ein Bild machen wollen.

Nächste Woche, am 22. Juni, endet der einjährige Hausarrest von Ai Weiwei, der ein Reise- und Redeverbot einschloss. Im April 2011 war er verhaftet und 81 Tage an einem unbekannten Ort festgehalten worden, trotz internationaler Proteste.

Video: Trailer Ai Weiwei "Never Sorry"

Die Amerikanerin Alison Klayman, die von 2006 bis 2010 in China lebte und als Journalistin arbeitete, hat Ai Weiwei in den Jahren davor begleitet. Entstanden ist ein zwar konventionell auf Tempo montiertes, aber dennoch eindringliches Porträt eines Gesamtkunstwerkers, Teamworkers und Kommunikationsgenies, eines Mannes, der im Zuge der Olympischen Spiele 2008 beim Regime in Ungnade fiel, nachdem er das berühmte Vogelnest-Stadion zunächst mitgeplant hatte, um die Spiele dann aber eine Propagandashow zu nennen und zu boykottieren.

Klayman hat Künstlerkollegen, Kuratoren, Korrespondenten und Museumschefs befragt, besucht die Mutter und den Bruder, spricht mit der Ehefrau, zeigt Ai Weiwei auch als Vater eines eineinhalbjährigen, unehelichen Sohns. Sie ist dabei, wenn Ai Weiwei seine Arbeiten für die Documenta 2007 oder die großen Ausstellungen in München 2009 und der Londoner Tate Modern 2010 vorbereitet und zeigt, wie er mit Freiwilligen in China aufs Land reist, um die Namen tausender toter Kinder im Erdbebengebiet von 2008 herauszufinden. Sie nutzt dafür das Bildmaterial des Berserkers und Maniacs Ai Weiwei, der in zwei Jahren allein 15 Dokumentarfilme realisierte, der unentwegt an Liu Xiaobo und die anderen inhaftierten Dissidenten erinnert, der für die Tate Modern 200 Millionen Sonnenblumenkerne in traditioneller Keramik-Handarbeit anfertigen ließ und mit seiner erschütternden Schulranzen-Installation „Remembering“ an der Fassade des Münchner Hauses der Kunst in alle Welt hinausposaunte, warum beim Erdbeben über 5000 Kinder starben: wegen Pfusch am Schulbau.

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