Ai Weiweis Berliner Gastprofessur : 16 Studenten und die Flüchtlinge

Der chinesische Künstler Ai Weiwei erläutert in Berlin die Pläne für seine Gastprofessur, unter anderem soll es im Workshop um das Thema Flüchtlinge gehen. Und er verrät, wie es mit seinem Lego-Kunstwerk weiter geht.

Ai Weiwei mit seinem Sohn Ai Lao am 26.10. bei der Pressekonferenz zu seiner Gastprofessor an der Berliner Universität der Künste.
Ai Weiwei mit seinem Sohn Ai Lao am 26.10. bei der Pressekonferenz zu seiner Gastprofessor an der Berliner Universität der Künste.Foto: dpa

Kurz vor dem Start seiner Gastprofessur an der Berliner Universität der Künste (UdK) hat der chinesische Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei 16 Studenten für seine Klasse ausgewählt. Sie kämen aus den Bereichen Medien, Mode, Film, Design und Fotografie, sagte der 58-Jährige am Montag in Berlin. Insgesamt habe es rund 100 Bewerber gegeben. Es sei unglaublich, was die Studierenden für eine breite Wissensbasis mitbrächten, betonte Ai. Die offizielle Antrittsveranstaltung seiner dreijährigen Gastprofessur findet am kommenden Sonntag in Berlin statt.
Eigentlich interessieren sich dieser Tage alle nur für die Lego-Geschichte. Auf seinem Instagram-Fotoblog hatte der Konzeptkünstler publik gemacht, dass die dänische Firma ihm eine bestellte Lieferung von Lego-Steinen verweigert habe, weil man die Verwendung für "politische Arbeit" nicht genehmigen könne - was Ai Weiwei mit der Eröffnung eines Legolands in Schanghai in Zusammenhang brachte. Beim Berliner Pressetermin sagte er dazu nun, durch Spenden via Internet komme auch so eine ausreichende Menge von Steinen zusammen. Überhaupt sei das Netz "ein bisschen wie eine moderne Kirche“. Man gehe hinein, klage sein Leid, "und alle in der Gemeinde können so Anteil nehmen und vielleicht ein Lösung finden“.


Inzwischen äußert sich Ai Weiwei auch zu politischen Themen in Europa

Es sei eine sehr große Ehre für ihn, dass er an der UdK sein dürfe, betonte er ansonsten und dankte der Hochschule und der Berliner Einstein Stiftung für die Berufung - die Stiftung finanziert die Gastprofessur. Mit seinen Studenten wolle er verschiedene Projekte umsetzen, unter anderem zum Thema Flüchtlinge. Keine Rolle spielen solle dagegen das Thema Menschenrechte. „Ich lehre an einer Kunstschule“, unterstrich der 58-Jährige. Sich selbst sehe er dabei nicht als klassischen Lehrer, sondern als Teil eines Ganzen. Was nicht heißt, dass er zu politischen Fragen jetzt schweigt. In Interviews äußerte er sich in letzter Zeit auch mit indirekten Worten zur Flüchtlingskrise und sehr explizit zur britischen China-Politik, indem er dem britischen Premier Cameron vorwarf, die britischen Menschenrechtsstandards sowie "grundsätzliche Werte" zu vernachlässigen, zugunsten von Handelsbeziehungen mit China in Milliardenhöhe.


Ai Weiwei ist seit August in Berlin (und war seitdem offenbar auch wieder kurz in Peking) - er hatte vier Jahre nach seiner Festnahme und Ausreiseverbot im April 2011 von den chinesischen Behörden endlich seinen Reisepass wiedererhalten. Zuvor war er wegen seiner politischen Kunst und Projekten auch als Menschenrechtsaktivist wie als Künstler von den Behörden drangsaliert und schikaniert worden. Derzeit lebt er mit seinem kleinen Sohn und dessen Mutter in Prenzlauer Berg und betreibt ein Atelier im Pfefferberg. Die UdK und die Einstein Stiftung hatten das Verfahren zur Berufung schon vor seiner Verhaftung 2011 aufgenommen. Tsp /dpa/epd



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