Kultur : Akademie, aber wie

Fast verzweifelt ertönt alle paar Jahre der Ruf nach einem gemeinsamen Ausstellungsort für die Berliner Architekturarchive. Vielleicht wird jetzt endlich ernst gemacht: Mit Rückendeckung der wichtigsten Architektursammlungen der Stadt wurden der "Verein Bauakademie Berlin" gegründet und Josef Paul Kleihues zum Vorsitzenden gewählt. Der Name des Vereins ist Programm: Die am Rande des Berliner Schlossplatzes wieder aufzubauende Bauakademie Karl Friedrich Schinkels soll künftig das nötige Ausstellungsforum bilden. Kein Zweifel, die Hauptstadt benötigt dringend einen Ort, an dem ihre Schätze aus den Architekturarchiven wachgeküsst werden. Ausstellungen zur eigenen Baugeschichte könnten helfen, Berlin von seinem oft unsicheren Umgang mit dem architektonischen Erbe abzubringen. Doch die Sache hat eine Haken. Gut 85 bis 95 Millionen Mark wird ein Wiederaufbau der Bauakademie kosten, und finanzieren sollen das Sponsoren. Darüber hinaus erscheint es fraglich, ob sich eine originalgetreu rekonstruierte Bauakademie als der erhoffte Ausstellungsort überhaupt eignen würde. Man müsste dann zwischen Schinkels Fassade und einem modernem Innenleben trennen. Das Ergebnis wäre Kulissenarchitektur - wie bei der nahen Kommandantur, die als Berliner Bertelsmann-Bastion demnächst in ihrer alten Hülle wiedererstehen soll. Bereits für einen Bruchteil der Bausumme aber ließen sich vorhandene Baudenkmäler in attraktive Ausstellungsräume verwandeln. Weit dringender als die Rekonstruktion verlorener Bauten benötigt Berlin ein stärkeres Verantwortungsbewusstsein bei der Pflege seiner (noch) erhaltenen Bauwerke. Ein ständiger Ort für Architekturausstellungen würde dabei helfen - sehr bald, und nicht erst nach Einwerbung so vieler Sponsorenmillionen.

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