Akademie der Künste : "Korrekt und anarchisch"

Nicht "Barbados oder Bitterfeld", wie gegenwärtig ein lokaler Radiosender auf Plakaten wirbt, sondern "Bitterfeld und Buenos Aires" ist das Motto des diesjährigen Programms der Akademie der Künste Berlin.

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Das „und“ zwischen den beiden weit auseinander liegenden Polen ist dem Präsidenten Klaus Staeck wichtig – „weil es die Bandbreite der Akademiearbeit andeutet“, wie Staeck auf der Jahrespressekonferenz am Pariser Platz sagte. Das Programm der AdK bewege sich 2010 zwischen internationalen Großprojekten auf der einen und kultureller Vermittlung auf der anderen Seite.

Staeck verwies auf die „Verantwortung gegenüber dem Steuerzahler“, der sich die Akademie „voll bewusst“ sei. Im Rahmen des Projekts „Kunstwelten“ gehe man auch 2010 „in die Regionen“, um mit Schülern aus Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg in Kunstwerkstätten zu diskutieren und zu arbeiten. Auch startet die AdK das Projekt „Ohrenstrand.net“ zur Vermittlung zeitgenössischer Musik. Und das Programm „100 Schüler, 10 Mitglieder“ soll Begegnungen zwischen Schülern und Akademiekünstlern ermöglichen. „Kunst hat ihr Publikum oft verloren“, sagte der Programmbeauftragte Johannes Odenthal. „Wir müssen bei der Bildung ansetzen, um es zurückzugewinnen.“

Die Akademie will sich jedoch nicht nur durch ästhetische Bildung und Nachwuchsförderung in den kulturellen und politischen Diskurs einbringen. Mit Ausstellungen und Veranstaltungen zur „Wiederkehr der Landschaft“ soll ab März nach Herausforderungen des Klimawandels und dem Umgang mit der Natur gefragt werden. Für September sind Konzerte und Vorträge zur „Kunstproduktion im digitalen Zeitalter“ geplant.

Mit zwei ebenfalls im September eröffnenden Ausstellungsprojekten zur Moderne Brasiliens in den sechziger Jahren sowie zur zeitgenössischen Kunst in Argentinien will die AdK sich weiter als „internationales Zentrum des Kunstdialogs“ profilieren, wie zuletzt mit der am Sonntag zu Ende gehenden Reihe „Istanbul Next Wave“. Auch das deutsch-französische Literaturfest im April ist Teil dieser Strategie zur „Internationalisierung“.

Bei alldem wird der Standort Berlin nicht vergessen. Zur Eröffnung des neuen Arbeitsjahres beginnt ab 24. Januar am Pariser Platz die Ausstellung „George Grosz. Korrekt und anarchisch“, die sich aus dem ständig erweiterten AdK-Archiv speist. Eine Rückschau mit Ausblick gibt es im Mai. Dann feiert das Akademie-Domizil am Hanseatenweg 50-jähriges Jubiläum.

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