Kultur : Akademie-Neubau: Umzugslaune

Bernhard Schulz

Entspannt verlief gestern die Jahrespressekonferenz der Akademie der Künste. Das Gerücht um eine angebliche Gefährdung des Standortes Hanseatenweg hatte sich bereits zuvor erledigt. So widmeten sich denn Präsident György Konrád, Vize Matthias Flügge, Archivdirektor Wolfgang Trautwein und Präsidialsekretär Hans Gerhard Hannesen ganz der Zukunft der ab Mitte 2002 um den Neubau am Pariser Platz erweiterten Institution. Beeindruckend ist die tabellarische Aufzählung der Arbeitsvorhaben der Akademie im soeben angebrochenen Jahr. Zu den wichtigsten gehören das Programm "100 Jahre Kabarett", das am heutigen Mittwoch beginnt, die Ausstellungen "Kinder als Auftraggeber" im März, "Hugo Häring und das Neue Bauen" im Juni, die Gedenkausstellung Artur Schnabel im Herbst und "Arnold Schönberg in Berlin" im November. Verschiedentlich ist das Archiv beteiligt, das stolz den Zugang von nicht weniger als 31 Archiven im zurückliegenden Jahr vermelden kann, darunter - brandaktuell - das von Götz Friedrich und - vielleicht am bedeutendsten - das des ost-westlichen Schriftstellers Jurek Becker. Zudem hütet das Archiv neuerdings die Unterlagen des Deutschen Künstlerbundes sowie des deutschen P.E.N., Ost wie West.

Hauptthema am gestrigen Dienstag aber war der Neubau am Pariser Platz. Er ergab sich zum einen aus dem Raumbedarf, der bereits vor dem Mauerfall eine Erweiterung am Hanseatenweg erforderlich machte, zum anderen aber aus der Vereinigung der beiden Institutionen in West und Ost. Hannesen hofft im Gegenzug zum stillschweigenden Verzicht auf ein Drittel der Grundstücksfläche am Pariser Platz auf ein Entgegenkommen des Senats bei den Betriebskosten. Die Entscheidung steht aus. Jeweils 1,9 Millionen Mark werden für die Unterhaltung des Neubaus sowie für die dort geplanten Programme benötigt. Um letztere gibt es wohl noch Dissens mit der Kulturverwaltung, die alle Vorhaben im Einzelnen wissen und genehmigen will; etwas, das die Akademie als Eingriff in ihre gesetzlich verbriefte Autonomie empfindet. Was stattfinden soll, ließ Konrád mit dem Satz in der Schwebe, die Akademie habe "die umfassende Aufgabe, die Urbanität der Stadt aufrecht zu halten". Konkreter sagte es Flügge: Diskussionen, Foren, vor allem aber "das Gespräch der Mitglieder untereinander und die Öffentlichmachung dieser Gespräche". Sogar vom (einstigen) Beratungsauftrag für das Land Berlin war die Rede - da hielt Konrád, dieser wundervolle Individualist, entgegen, man könne "Antworten nicht bestellen". Darin eben liegt die vermeintliche Schwäche und tatsächliche Stärke einer solchen Sozietät von Künstlern.

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