Alice Schwarzer zu Charlotte Roche : "Du hast nicht die Lösung, du hast das Problem"

Ultra-Feministin gegen Starautorin: Alice Schwarzer hetzt auf ihrem Blog öffentlich gegen Charlotte Roche und ihren neuen Roman "Schoßgebete".

Alice Schwarzer (68) hat Charlotte Roches neues Buch "Schoßgebete" eine "verruchte Heimatschnulze" genannt.
Alice Schwarzer (68) hat Charlotte Roches neues Buch "Schoßgebete" eine "verruchte Heimatschnulze" genannt.Foto: dpa

Wer im Fall von Charlotte Roches Roman „Schoßgebete“ auf wessen Rechnung durch die Republik reist, lässt sich kaum beantworten. Die überwiegend freundliche Kritik fühlte sich als Teil einer großen Verlagsinszenierung. Denn mit Ausnahme von „Spiegel“ und „FAZ“ durfte das Buch bis zwei Tage vor der Veröffentlichung am 10. August niemand lesen. So wurde die Meute geschlossen von der Leine gelassen – bis auf die von Piper im persönlichen Auftrag der „Bild“-kritischen Autorin boykottierten Springer-Medien: Die mussten sich das Buch im Handel besorgen. Ob sich die in Roches „Schoßgebete“ mehrfach eingeschlossene Alice Schwarzer persönlich betroffen fühlte oder ob sie die Aufmerksamkeit der Stunde nutzte, ist eine ähnlich schwierige Frage.

„Hallo Charlotte“, schreibt sie im Blog ihrer Website aliceschwarzer.de. „Ich bin’s, dein Über-Ich. Du weißt schon, diese feministische Rachegöttin, die Seite an Seite mit deiner Mutter durch dein Buch geistert.“ Die Sexszenen hält sie für einen Verkaufstrick und mahnt: „Eines allerdings wäre fatal: Wenn deine Leserinnen deine verruchte Heimatschnulze über Sex & Liebe für ein Rezept halten würden. Denn du hast nicht die Lösung, du hast das Problem.“ Sie verstehe, dass Roche auf ihre „so forciert emanzipierte Mutter“ reagiere. „Aber deine Mutter hat auch nur auf ihre Mutter, deine Großmutter, reagiert. Und du wiederum, du reagierst nun auf deine Mutter – und machst es wie die Großmutter. Soll diese fatale Wechselwirkung immer so weitergehen?“

Auch Charlotte Roches Stiefvater Ulrich Busch hat sich zu Wort gemeldet. Im Gespräch mit stern.de warf er Roche vor, den Unfalltod ihrer Brüder auszuschlachten. Roches Bruder William, ihr Halbbruder David und das Pflegekind Dennis waren 2001 auf dem Weg zu Roches Hochzeit in London tödlich verunglückt. Ein ähnlicher Unfall kommt auch in dem Buch vor. „Ohne Rücksicht, Skrupel und Respekt wird das Familienunglück zur Schau gestellt und vermarktet“, sagte Busch. Roche habe ihn vor einem Jahr vergeblich zu überreden versucht, ihr die Unterlagen zu dem Unfall auszuhändigen. „Jetzt weiß ich, wofür sie die Dokumentation haben wollte.“ Roche bestritt genau dies: „Die Aufarbeitung dieser Akten wäre ein wichtiger Teil meiner Traumatherapie gewesen.“ (Tsp)

68 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben