Kultur : All That Jazz: Christian Broecking über das Erbe der schwarzen Musik

Schon in den zwanziger Jahren gab es in den USA eine Negro History Week, seit 1976 ist der Februar als Black History Month bekannt. Dass besonders die afroamerikanischen Musiker sich in diesem Monat berufen fühlen, ihr kulturelles Erbe zu preisen, liegt nahe. Im renommierten Berklee College of Music wurden die Feierlichkeiten zum Black History Month am Donnerstag von der Geigerin Regina Carter eröffnet, in New York stand zur gleichen Zeit ihr Cousin James Carter auf der Bühne des Jazzclubs Blue Note. Und in dieser Woche singt dort Abbey Lincoln, deren Name ja von jeher sehr eng mit dem politisch motivierten Teil der amerikanischen Jazzszene verbunden ist. Den Auftakt des Black History Month markierte allerdings ein Konzert, das vor fünf Jahren - auf dem Höhepunkt des New Yorker Jazzkriegs - völlig undenkbar schien und heute kaum hoch genug bewertet werden kann: Der Trompeter Wynton Marsalis spielte mit seinem Septett in der Knitting Factory. Wie das?

Die Knitting Factory ist durch allerhand riskante Großprojekte im vergangenen Jahr - darunter die Eröffnung einer Dependance in Los Angeles - in die finanzielle Krise geraten. In der Marsalis-kritischen New Yorker Wochenzeitung "Village Voice" heißt es, dass Marsalis der Knitting Factory unter die Arme greife und gleichzeitig versuche, im avantgarde-freundlichen Downtown zu landen. Ein cleverer Schachzug. Der Meister bereist demnächst Europa, und wird vom 5. bis 7. März auch mit den Philharmonikern auftreten, am 4. März gibt er in der Philharmonie sogar noch ein Zusatzkonzert mit seinem Lincoln Center Jazz Orchestra. Dann können Sie testen, was es mit dem neokonservativen Sound des amerikanischen Jazz auf sich hat.

Im Quasimodo stehen in diesem Monat gleich acht Konzerte unter dem Thema Black History Month. Alle verdanken sich der Initiative des afroamerikanischen Saxofonisten Fuasi Abdul-Khaliq, der seit fast zehn Jahren auch in Berlin regelmäßig Konzerte gibt. Am Dienstag wird seine Band das Lebenswerk von bedeutenden schwarzen Jazzmusikern würdigen, die nicht mehr am aktiven Musikleben teilnehmen können. Wie der Saxofonist Joe Henderson, der nach einem schweren Schlaganfall voraussichtlich nie wieder spielen können wird, oder der Schlagzeuger Billy Higgins, der zwar noch auf John Scofields neuer CD "Works For Me" zu hören ist, sich in den vergangenen Jahren aber wiederholt wegen einer schweren Lebererkrankung zurückziehen musste. Seit Oktober ist er wieder im Krankenhaus,und morgen finden letzte Untersuchungen vor einer erneuten Transplantation statt. Wie Fuasi Abdul-Khaliq stammt auch Billy Higgins aus Los Angeles, und dort hat der Bassist des Brad Mehldau Trios, Larry Grenadier, kürzlich ein Benefizkonzert organisiert, um Geld für dessen Behandlung zu sammeln. Wer helfen will, kann mit Grenadier über rebbytunes@earthlink.net Kontakt aufnehmen, wer hören will - am Dienstag um 22 Uhr im Quasimodo.

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