Kultur : All That Jazz

Für Miriam Makeba ist er der Hoffnungsträger der afrikanischen Musik, für ihn ist sie die Königin, die die Zukunft Afrikas verkörpert. Ihr Gesang repräsentiere die Reinheit und Tiefe des von AIDS und lokalen Kriegen zermürbten Kontinents, sagt Lokua Kanza. Der Sänger, Gitarrist und Komponist wurde 1958 in Bakavu geboren, das in der heutigen Republik Kongo gelegen ist. Er hat in Kirchenchören gesungen, in kongolesischen Rumbagruppen gespielt und klassische Gitarre und Komposition studiert. Seit fast 18 Jahren lebt er in Paris. Auf seiner neuen CD "Toyebi Té" stehen einfühlsame Texte und wunderschöne Melodien im Vordergrund. Kanza hat sie im eigenen Studio aufgenommen, er hält nichts davon, wenn ihm die Musik von Produzenten diktiert wird. Der Trick sei, immer bereit zu sein, einen guten Song zu erkennen, sagt er. Bei ihm entstehe er aus der Improvisation mit Kalimba, Piano oder Gitarre.

In dem Stück "Good bye", bei dem auch seine Tochter Malaika mitsingt, geht es um das Verhältnis heranwachsender Kinder gegenüber den Eltern. Es handelt von dem Moment, wo das Kind das Elternhaus verlässt und sich dafür entschuldigt, dass es für seine Freiheit nicht immer mit fairen Mitteln gekämpft hat, "sorry if I make you cry". Doch auf dem Weg in eine neue Welt wird das Kind selbst zum Elternteil und wieder führt es einen Kampf. Bei Kanza geht es um die vermeintlich einfachen Dinge des Lebens. Er singt am Dienstag in der Ufa-Fabrik (Beginn 20 Uhr).

Eine verblüffende Geschichte zum Konzertgeschehen der Woche hat Gary Giddins, der Kolumnist der New Yorker Wochenzeitung "Village Voice", erzählt. Er schwärmte jüngst vom neuen Album des Gitarristen Biréli Lagrène, "Gypsy Project", und erzählte, wie er Lagrène einmal getroffen hat, als der noch keine 16 Jahre alt war. Giddins hatte sich nach Salzburg schicken lassen, um mit Lagrène zu sprechen. Doch da Giddins genauso schlecht Sinti, Deutsch und Französisch sprechen kann wie Lagrène damals Englisch, lief nichts ohne Dolmetscher. Der erzählte Giddins dann, dass Lagrène mit vier Gitarre zu lernen begann, dass er im Alter von acht Jahren Django Reinhardt Platten nachspielte, und als er erfuhr, dass Djangos vierter und fünfter Finger paralysiert waren, soll der Autodidakt Lagrène drei Jahre damit zugebracht haben, Djangos Läufe mit zwei Fingern zu spielen. Dann schlug es vier und Lagrènes liebste TV-Sendung begann. Das Gespräch war beendet. Am Donnerstag ist der Wahnsinnsgitarrist im Quasimodo (Beginn 22 Uhr).

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