Kultur : All That Jazz

Martha ist Köchin, und eigentlich ist es das schon. "Bella Martha", der Film von Sandra Nettelbeck mit Martina Gedeck als Martha ist nicht gerade die Sorte Stoff, von der man lange zehrt. Wäre da nicht die Musik. Produziert von Manfred Eicher, dem Chef von ECM-Records in München, der gerade einen Grammy für seine Veröffentlichungen im Bereich Klassik erhalten hat. Neben viel Aufregung um Essen, das schmeckt, und Leuten, die sich nicht so benehmen, als hätten sie es verdient, dass man für sie kocht, gibt es bei "Bella Martha" (Neue Kant Kinos) also Musik. Schöne Musik von Paolo Conte und von Keith Jarrett. Vor allem der "Bella Martha"-Titelsong "Country" - jene wundersame Ballade mit einem verschwommen sehnsüchtigen Piano-Intro und einer melancholisch singenden Saxofonstimme von einer Platte aus dem Jahre 1977, die zu den großen Klassikern des ECM-Katalogs gehört: "My Song" vom Keith Jarrett Quartett mit Jan Garbarek. Eine Soundtrack-CD des Nettelbeck-Films ist nicht vorgesehen, "My Song" ist aber noch erhältlich.

Dazu passt, dass ECM eine neue CD-Serie mit dem Titel ": rarum" herausbringt, in der die Künstler selbst für die Auswahl der Stücke verantwortlich zeichnen. Seltenheitswert haben da besonders die Kommentare der Musiker, die sich in den Booklets zu diesen Compilations finden. Bei ": rarum" sind neben Bobo Stenson und dem Art Ensemble of Chicago auch die ECM-Bestseller Keith Jarrett und Jan Garbarek mit jeweils 2-CD-Sets dabei.

Curtis Fowlkes ist der Posaunist auf der ganz neuen Elvis Costello-CD "When I Was Cruel", seine Songs erschienen auf Platten der Jazz Passengers und Lounge Lizards der New Yorker Lurie-Gebrüder. Bei John Luries "Get Shorty"-Soundtrack spielte er mit und bei Robert Altmans "Kansas City" auch. Fowlkes ist einer der überzeugendsten Vertreter der New Yorker Downtown-Szene, auf seiner Webseite www.curtisfowlkes.com gibt es auch soundfiles seiner Band "Catfish Corner". Mit Curtis Fowlkes kommen nun der E-Bassist Steve Swallow, der schon seit vielen Jahren mit der Pianistin Carla Bley um die Welt tourt, sowie die New Yorker Downtown-Instanzen Marty Ehrlich, Saxofon, und Wayne Horvitz, Piano, nach Berlin. Die Band heißt Bump und wird geleitet vom Schlagzeuger Bobby Previte, der auf diese Weise mit derselben Besetzung nach Europa reist, mit der er auch seine neue CD, "Just Add Water", aufgenommen hat. Ein bisschen Salsa-Groove, etwas Funky-Piano und sehr viel soulful New York Vibe gibt es am Donnerstag im Quasimodo (Beginn 22 Uhr).

Auf der neuen CD der Dirty Dozen Brass Band, "Medicated Magic", singt sie eine der besten Versionen von "Ruler of my heart", die es je geben wird. Doch nicht nur mit der bekanntesten New Orleans Blaskapelle der Popgeschichte hat Norah Jones schon gesungen, auch auf der Blue Note-CD des Gitarristen Charlie Hunter, "Songs From The Analog Playground", war sie dabei. Doch als regelrechter Überflieger entpuppt sich gerade ihre eigene Solo-CD, "Come Away With Me" (Blue Note), auf der die 23-jährige Texanerin singt und Klavier spielt. Klar hat es solche Singer / Songwriter-Geschichten mit jener unaufdringlichen Melange aus Motown und Country schon öfters gegeben - doch meist verschwanden sie nach dem ersten Hype im Ramsch. Auch von Jones können die Leute momentan gar nicht genug bekommen. Ein bisschen Love, Peace and Understanding und viel, viel Soul. Am Dienstag im Tränenpalast (Beginn 20 Uhr), Arte zeichnet auf.

Als der Saxophongigant Sonny Rollins vor einem Jahr ein Konzert in der Kölner Philharmonie gab, saß Helge Schneider in der ersten Reihe. In halbes Jahr später überraschte der Multiinstrumentalist beim Frankfurter Jazzfestival dann mit einem eigenen Jazzgig. Sowohl Old School als auch New Cool gingen an Schneider hörbar vorbei - Schneiders "Jazz" ist ein clowneskes Mosaik zwischen Hardcore und Anarchie. Am Samstag im Potsdamer Jazzcircus Schiffbauergasse (Beginn 20 Uhr).

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