Kultur : All That Jazz

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Christian Broecking über

Norweger beim Spargelessen

Bugge sagt, dass es endlich an der Zeit sei, Sidsel stimmt zu. Der amerikanische Jazz ist einfach nicht mehr angesagt. Stuart Nicholson hat in der New York Times geschrieben, dass die wichtigen Dinge sich heute in Europa abspielen, die wesentlichen Impulse kämen aus Paris und Oslo. Der amerikanische Schlagzeuger Paul Motian hat die aktuelle CD seiner Electric Be Bop Band „Europe“ genannt, aus der Band ging unlängst der Shooting Star der jungen amerikanischen Saxofonisten-Szene, Chris Potter, hervor. Am Donnerstag gibt es eine neue Ausgabe von Motians E.B.B.B im Quasimodo (22 Uhr).

Bugge sagt, er würde auch gern mal in New York auftreten, aber der protektionistische Umgang mit außer-US-amerikanischen Dingen und Menschen betreffe auch die Kunst und Musikszene und so würden sich die überteuerten Arbeitsgenehmigungen für Auftritte in den USA einfach nicht rechnen. Einer Einladung zum San Francisco Jazz Festival will er dennoch nachkommen, doch zum Glück gibt es ja den europäischen Markt. Bugge Wesseltoft zählt zu den führenden Innovatoren des aktuellen europäischen Jazz, mit der Sängerin Sidsel Endresen nimmt er seit Jahren zusammen auf. Am Donnerstagmorgen hatte es in Oslo noch in Strömen gegossen, ein wenig später saßen die beiden bereits in der Berliner Sonne mit Spargel, Weißwein und Spreeblick. Als die Unterhaltung auf den Punkt kommt, wie die norwegische Jazzszene den Hype, der in jüngster Zeit über sie hereingebrochen ist, verkraften wird, werden Sidsel und Bugge ernst. Es sei alles sehr ernst zu nehmen und das ganze habe mit der so genannten amerikanischen Tradition des Jazz nur noch sehr wenig zu tun. Bugge fühlt sich stark von der Neuen Notierten Musik und Electronics-Szene inspiriert, Sidsel fügt noch Ethno hinzu. Doch dass sich der Blick auf neue Impulsgeber verdichtet, ist kein europäisches Phänomen.

Auch der Gitarrist Pat Metheny spricht von neuen Ausrichtungen, besonders seitdem der Perkussionist und Sänger Richard Bona in seiner Band ist. Und bei der Integration von afrikanischen und lateirikanischen Einflüssen geht es Metheny nur um eins: Sound. Mit seiner neuen Band bringt es das jetzt in unterschiedlichen Nuancen und Stimmungen auf die Bühne. In der Frankfurter Alten Oper eröffnete er sein Konzert allein am Bühnenrand stehend mit einer Soloimprovisation, und zwischen den Metheny Group Standards gibt es Triojazz, Instrumentalpop und Ethno-Fusion. Ringelshirt und Föhnfrisur lassen irritierende Schlüsse darüber zu, mit welchem Spirit hier gespielt wird. Morgen im Tempodrom (20 Uhr).

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