Kultur : All That Jazz

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Christian Broecking

über die Mutter des Pata Pata

Als „Mama Africa“ am Freitagabend die Bühne des Tränenpalasts betritt, hat ein Bangen hinter den Kulissen ein Ende. Am Dienstag wurde Miriam Makeba in die Charité eingeliefert, ihr Konzert in Athen, das für den Donnerstagabend geplant war, musste sie canceln. Doch trotz starker Rückenschmerzen führte die 70-jährige Sängerin bei ihrem Berliner Konzert noch einmal den Pata Pata vor – und das vermittelte eine Ahnung von der Wirkung dieser charismatischen Frau auf das schwarze Amerika der sechziger Jahre, wo sie nach ihrer Verbannung aus Südafrika lebte. Damals transportierte sie das Black-Is-Beautiful-Feeling von Afrika nach Afroamerika – sie wurde auch vom weißen Amerika nicht übersehen.

Der Tränenpalast hat seine Multimediatechnik erneuert – wo andere einen schwarzen Vorhang als Bühnenkulisse haben, gibt es hier nun mehrere Großbildleinwände, auf der nicht nur Ausschnitte des Konzertgeschehens gezeigt werden, sondern auch Videoschnipsel und Fotos aus dem Archiv. So auch eine Schlüsselszene aus dem 1956 veröffentlichten Film „Come back, Africa“, der das südafrikanische Unrechtssystem anprangerte. Makeba hatte in diesem Film eine Hauptrolle übernommen, doch die internationale Aufmerksamkeit, die der Film erlangte, und die Makeba auch nach Europa führte, wurde ihr schnell zum Verhängnis, da sie nicht mehr in ihr Heimatland zurück durfte. Heute lebt sie wieder in Südafrika, und auch wenn ihre Stimme an Kraft eingebüßt hat und die Bewegungen reduziert sind, durch die multimediale Inszenierung wurde ein Zusammenhang hergestellt, der sich allein aus dem Konzert heraus kaum mehr erschließen würde.

Nicht Aneignung sonder Auseinandersetzung prägt die „St. Louis Blues"-CD von Aki Takase. Ab Mittwoch ist sie auf Deutschland-Tour, am Donnerstag tritt sie in Rostock auf, am Sonntag im A-Tane, 22 Uhr. Vom 6.-10. August ist sie im Rahmen der Sommer-Gig-Wochen für den Charlottenburger Club gebucht. Und von da kommt auch die News der Woche – der A-Trane-Betreiber Sedal Sardan wird einen weiteren Jazz-Club eröffnen. Im Soultrane will er ab 1. September mit einem Dinner & Jazz-Konzept dafür sorgen, dass Pharoah Sanders und Herbie Hancock wieder zu ihrer ursprünglichen Größe zurückfinden.

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