Kultur : All That Jazz

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Christian Broecking

über Töne, die ihre Laufrichtung ändern

Ins Bild rücken grausame Konflikte und kulturelle Vermischungen. Der ethnografische Blick auf die Menschen, die in materieller Armut leben, hat die Richtung geändert. Vorgeführt und denunziert werden nun auch Erwartungshaltungen und Projektionen, die man aus den Gegenden kennt, wo es den Leuten soweit ganz gut geht. Georges Adagbo hat auf der documenta 11 einen Raum mit Fotos, Postkarten, Zeitungsschnipseln bestückt, die von der Veränderung der Perspektiven handeln. In seiner Installation „Das Theater der Welt“ hängt auch das Cover einer Platte der südafrikanischen Sängerin Yvonne Chaka Chaka, „The Princess of Africa“ - stolz, bunt und sexy - Projektionsfläche des White Man´s Mainstream ebenso wie Ausdruck von schwarzem Selbstbewusstsein und Black-is- beautiful-Hipness.

Um Perspektivveränderung geht es in dieser Woche auch musikalisch. Nicht nur die Pianistin Aki Takase, die mit ihrem „St. Louis Blues“-Ensemble heute ab 21 Uhr im A-Trane spielt, interpretiert die Bluestradition weit entfernt vom Original. Auch die englische Sängerin Sarah Jane Morris setzt fernab von Revival und Imitat auf einen sehr privaten Geschichtszugang. Stücke von Curtis Mayfield, Marvin Gaye und Billie Holiday verwandelt sie zu magischen Beschwörungen. Auf ihrem eigenen Label „Fallen Angel“ hat Morris mit dem Gitarristen Marc Ribot gerade eines der schönsten Alben des Jahres veröffentlicht: „August“ (Vertrieb: Indigo). Das Konzert der Woche, zu dem sie mit ihrem Londoner Quartett anrollt, ist ihr einziger Deutschlandauftritt in diesem Sommer. Am Dienstag im Tränenpalast um 21 Uhr. Auf www.sarahjanemorris.com gibt es Hörproben von ihrer CD.

In der Mac Ribot Band „Los Cubanos Postizos“ ist E.J. Rodriguez der Schlagzeuger. Jetzt kommt er zum zweiten Mal mit der Band des Vibrafonisten Bill Ware nach Berlin. Für Bill Ware´s Vibes, eine Band, die vor zwei Jahren beim JazzFest ihr Berlin-Debüt gab, war es damals ein grandioser Wurf aus dem produktiven Abseits der New Yorker Knitting Factory in die hoch subventionierte Festival-Location und ins Berliner Radioprogramm. Bei der aktuellen Tour zum 15-jährigen Jubiläum der Knitting Factory ist neben Ware´s Vibes jetzt auch der Free-Thing-Saxofonist Charles Gayle dabei, der unlängst erst mit einer Solo-Piano-CD herauskam, auf der er über heilige Klassiker wie „Round Midnight" und „Body and Soul“ hinwegfegt. Morgen im Tränenpalast, 21 Uhr.

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