Kultur : All That Jazz

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Christian Broecking über die

Dauerpräsenz der Stars im Sommerloch

Pünktlich zum Ferienanfang beginnt am Donnerstag JazzBaltica 2002 mit Konzerten in Flensburg, Kiel und Husum, ab Freitag laufen dann die großen Acts im norddeutschen Salzau auf. JazzBaltica pokert mit den Bestsellern wie ein Big Player und hat doch eigentlich nur Zelt-Plätze für das Publikum eines Kleinfestivals. Dank 3sat ist Salzau aber das ganze Jahr über sozusagen jazz-tv-präsent, am Freitag ab 23 Uhr 50 sendet 3sat leicht zeitversetzt Ausschnitte aus dem diesjährigen Eröffnungskonzert mit Till Brönner.

Man würde sich wahrscheinlich wundern, wenn Herbie Hancock, Joe Lovano und John Scofield die europäischen Sommerfestivals einfach mal ausfallen lassen würden - das würde vielleicht sogar mehr auffallen als ihre Quasi-Dauerpräsenz. Doch Salzau hat in diesem Jahr auch eine richtige Sensation, einen Artist in Residence, der vor wenigen Tagen erst von der amerikanischen Jazzkritik zum Tenor- und Sopransaxofonisten des Jahres gewählt wurde: Wayne Shorter. Der 1933 geborene Shorter ist einer der wichtigsten Musiker und Komponisten des modernen Jazz. Er wuchs in New Jersey auf, war langjähriges Bandmitglied von Art Blakeys Jazz Messengers, bei Miles Davis und Weather Report. Jetzt hat er zwei neue CDs aufgenommen, eine Studio CD für größeres Ensemble, die Anfang nächsten Jahres erscheinen soll, und die CD „Footprints live!" Dieser CD-Veröffentlichung geht eine intensive und andauernde Diskussion mit seinem Freund Herbie Hancock voraus. Dreh- und Angelpunkt ist darin die Frage, wie der Jazz sich aus der kleinen engen Box befreien kann, in der er seit Jahrzehnten steckt.

In Berlin gibt es heute ein Konzert mit einem der spannendsten Pianisten der amerikanischen Szene: Jacky Terrasson. Nach seinem Groovy-Trio mit Leon Parker und Ugonna Okegwo spielt Terrasson zurzeit in den Spuren von Keith Jarrett, Stand Mitte der siebziger Jahre. Im Tränenpalast um 22 Uhr. Am Dienstag ist der Miles Davis-Saxofonist Bennie Maupin im Quasimodo (22 Uhr), zur gleichen Zeit produzieren Carlos Bica und Kalle Kalima im b-flat fein nuancierte Sounds zwischen Sehnsucht und Melancholie. Wer angesichts eines solchen Angebots nach Preisen und Zeit fragt - das ist schließlich erst der Anfang. Am nächsten Sonntag wird keine Entschuldigung akzeptiert: Oregon kommt.

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