Kultur : All That Jazz

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Christian Broecking über

das Unbehagen auf Zug-Toiletten

Aki Takase ist gewiss eine der radikalsten Jazzmusikerinnen in Deutschland. Jetzt zählt sie auch zu den angesagtesten. Ende des Monats erhält die Pianistin eine der wichtigsten Auszeichnungen, den SWR Jazzpreis 2002. Ab Dienstag bestreitet die Berliner Hochschuldozentin einen der Sommer-Wochen-Gigs im A-Trane. Zum Auftakt hat sie die in Hamburg lebende Schriftstellerin Yoko Tawada, die in deutscher, japanischer und englischer Sprache veröffentlicht, und schon seit drei Jahren mit Takase und einem Jazz-Poetry-Programm tourt, eingeladen. Auf Tawadas Homepage www.tawada.de steht unter anderem, welche Probleme man bekommen kann, wenn sich während einer Zugreise plötzlich der Akku des Notebooks verabschiedet. Als die Versuche mit Filzer und Schreibheft scheitern, verschwindet die Erzählerin Richtung Toilette. Doch die Kloschüsseln bereiten ihr Unbehagen, wenn sie neueren Datums sind.

Am Mittwoch spielt Takase dann im Duo mit dem Saxofonisten Walter Gauchel, am Donnerstag mit dem Bassklarinettisten Rudi Mahall, der übrigens in diesem Jahr auch für den SWR Jazzpreis nominiert war. Mahall machte unlängst bei Takases „St. Louis Blues“ Konzert im A-Trane auch den MC, und die Rolle stand ihm eigentlich ganz gut. Freitag und Samstag spielt Takase dann mit ihrem Quintett „Salz und Fett“, bei dem auch Gauchel und Mahall mitwirken. Beginn der Takase-Sommer-Wochen-Gigs ist jeweils um 22 Uhr.

Bei den young.euro.classics dirigiert morgen Gunther Schuller das Joven Orquesta Nacional de Espana. Schuller zählt zu den renommiertesten Komponisten der USA, bis heute umstritten ist die von ihm propagierte Verbindung von Zeitgenössischer Musik und Jazz. Auch wenn der Third Stream eine Randnotiz der Jazzgeschichte geblieben ist, so ist doch die Komposition im heutigen Jazz wichtiger denn je. Als Beleg nennt Schuller die Musik des Trompeters Dave Douglas. Eine atonale Komposition, so Schuller, wird zu einem neuen Ereignis, in diesem Fall zu Jazz, wenn sie von Jazzmusikern gespielt wird. Ornette Coleman studierte bei Schuller Noten- und Harmonielehre, der seinen Freund Charles Mingus in der Rangfolge der großen Komponisten gleich hinter Elllington sieht. Dessen unvollendetes Werk „Epitaph“ führte Schuller 1989 im New Yorker Lincoln Center auf und brachte es auch zum Berliner JazzFest. Morgen dirigiert Schuller im Konzerthaus die Aufführung seiner Komposition „Farbenspiel“ (Beginn 20 Uhr).

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