Kultur : All That Jazz

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Christian Broeckingüber

einen stillen Helden in lauten Zeiten

Da ist es wieder, das Gerd-Dudek-Syndrom des deutschen Jazz: Gerd wer? Er wird so selten fotografiert, dass er nicht Gefahr läuft, auf der Straße angesprochen zu werden. Dabei begann Dudeks Karriere spektakulär, als jüngster Musiker im damals sehr renommierten Orchester von Kurt Edelhagen. Als Dudek, Jahrgang 1938, seinen 60. Geburtstag und sein vierzigjähriges Jubiläum als Jazzprofi feierte, kamen sie alle - von Manfred Schoof bis Aki Takase - Ehemalige, Nochmalige und Seelenverwandte. Dudek liebt es, mit guten Freunden sehr gute Musik zu machen. Dafür hatte er einst den sicheren, aber eben auch sehr langweiligen BigBand-Job aufgegeben, ein Posten, an dem zahlreiche Kollegen fast ihr gesamtes Leben kleben blieben.

Stattdessen tingelte Dudek durch die Städte des Jazz, Mitte der sechziger Jahre wohnte er mit dem amerikanischen Saxophonisten Johnny Griffin in Berlin zusammen und in Prag mit Jiri Mraz, der heute in den USA unter dem n George Mraz ein gefeierter Bassist ist. Dudek ist ein Mann unter Einfluss. Ornette Colemans Platte „Free Jazz“ leitete bei ihm einst die totale Veränderung seines musikalischen Lebens ein, in den siebziger Jahren spielte er auch mit Don Cherry und George Russell. Besonders seine Version von Coltranes „Alabama“ auf Dudeks schlagzeugloser Trio-CD „After All“ begründete in den achtziger Jahren seinen Ruf, einer der aufregendsten Saxophonisten der europäischen Szene zu sein. Doch immer wieder springt ihn von den Seiten der einschlägigen Lexika die Frage an, warum er nicht bekannter ist. Alex von Schlippenbach sagt, Dudek ist ein Musicians´ Musician, eben einer, der richtig gut klingt. Wenn man aber den Status eines Musicians´ Musician hat, dann ist die Gästeliste meist länger als die Schlange der Zahlenden. Dudek klingt frei, spitz, erfahren und schön, er hält sich nicht mit Kunststückchen auf. Am Freitag um 21 Uhr im Jazzkeller Treptow.

Und was macht der Mann, der einst Dudeks musikalisches Leben umkrempelte? Ornette Coleman spielte gestern Abend beim Jazzfestival in Marciac, das gerade sein 25. jähriges Jubiläum feiert. Am Dienstag zeigt Arte eine zweistündige Dokumentation über das diesjährige Festival mit einer Live-Übertragung der Abschlusskonzerte von Ray Baretto und Michel Camillo und mit Ausschnitten aus den Marciac-Highlights, Beginn ist um 23 Uhr.

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