Kultur : All That Jazz

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Christian Broecking über das

Ende einer fruchtbaren Saison

Er hätte das Event werden können, der ENZA-Apfel 4200. Doch für die Popkomm kam die Anfrage an das zentrale ENZA-Lager einfach zu spät. Von den 4000 Liefereinheiten, die Neuseeland in diesem Jahr Richtung USA und Europa verlassen haben, war keine einzige mehr vorrätig. „Jazz“ heißt die neue Apfelsorte des neuseeländischen Obstvermarkters ENZA, die etwas süßer und noch knackiger als Braeburn schmeckt. 15 Jahre soll an „Jazz" herumexperimentiert worden sein, bis die Kreuzung aus Royal Gala und Braeburn, die ursprünglich Scifresh hieß, auf den Markt kam. 150 000 „Jazz"-Bäume gibt es in Neuseeland bereits, versuchsweise wurden auch schon welche in Frankreich gepflanzt. Die ENZA-Manager garantieren, dass die Frucht ihren Biss auch bis zum Ende der Distributionskette beibehält. Und der Apfel schmeckt wirklich! Doch leider geht die erste „Jazz"-Saison in diesen Tagen schon zuende.

In der arte-Dokumentation „Jazz-Frauen“ geht es um eine Veranstaltungsreihe im New Yorker Jazzclub „Tonic“ und die Erfahrungen von mehr oder weniger bekannten Jazzmusikerinnen, die versuchen oder versucht haben, sich in New York als Künstlerinnen durchzusetzen. Darunter die Pianistin Marilyn Crispell. Sie schwemmt den Sound durch den Raum, setzt auf Energie und Virtuosität. Dass sie gleich nach Cecil Taylor komme, was die Weiterentwicklung des Jazzpianospiels betrifft, wurde mal behauptet. Das war Anfang der Achtzigerjahre, als ihre große Zeit auf kleinen Labels begann. Sie wurde feuilletonreif, Kraft, Tempo und Intensität ihres Spiels waren Anlass überschwenglicher Kritiken. Vor einigen Jahren erschien dann eine Doppel-CD mit Kompositionen von Annette Peacock, „Nothing ever was, anyway" (ECM). Peacocks Melodien verbreiten bittersüße Stimmungen, sehnsuchtsvoll verharren sie in dieser Welt.

Doch Crispells Versuch einer Re-Interpretation von Peacocks Minimal-Art-Composing, entglitt förmlich ihren Händen, als sie sie vor einiger Zeit im A-Trane aufführte. Dabei hatte sie das Programm noch gemeinsam mit Annette Peacock einstudiert, als sie in deren Nachbarschaft in Woodstock wohnte. Aber zwischen wunderschönen thematischen Einstiegen wühlte sich Crispell dann durch Unmengen von Tönen, die jede Orientierung untergruben und alles gleich klingen ließen. Arte zeigt „Jazz-Frauen“ am Dienstag um 23 Uhr.

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