Kultur : All That Jazz

NAME

VOR >>

Christian Broecking über

eine Rache für 50 Jahre Unrecht

Man hatte ihnen nur gesagt, dass man verschiedene Konzerte ihrer Tour aufzeichnen werde. Doch als jetzt „Directions in Music: Live At Massey Hall“ herauskam, war nur ein einziges Konzert darauf zu hören. Schon 1953 hatte am selben Ort in Toronto etwas stattgefunden, was lange als Live-Mitschnitt der Jazzplattengeschichte schlechthin galt. Damals spielten Dizzy Gillespie, Charlie Parker, Bud Powell, Charles Mingus und Max Roach in dem Konzertsaal, der 48 Jahre später von Herbie Hancock, Michael Brecker, John Pattitucci, Brian Blade und Roy Hargrove in Begeisterungsstürme versetzt wurde.

Der 1969 in Texas geborene Trompeter Hargrove wurde schon als Siebzehnjähriger von Wynton Marsalis entdeckt und gefördert. Und er beeindruckte auch schnell die Erfindergeneration des modernen Jazz, der Saxofonist Sonny Rollins widmete ihm sogar seine Komposition „Young Roy". Doch erst an der Seite Herbie Hancocks habe er begriffen, sagt Hargrove, dass man einen Standard bis zur Unkenntlichkeit modernisieren könne. Jeder Akkord, den Hancock antippt, klinge bedeutungsschwer und frisch zugleich. Das ist auf „Directions in Music“ sehr schön bei der Kollektiv-Komposition „Misstery“ zu hören, die aus einer Improvisation über den Klassiker „Stella By Starlight“ entstand. „Als ich hörte, was Herbie mit meiner Komposition ,The Poet’ machte, war ich total verblüfft. Ich hatte einige ganz simple love chords geschrieben, weil ich diesen out of tempo rubato approach des Miles Davis Quintetts der sechziger Jahre wollte. Dann reharmonisierte Herbie mein Stück und ließ es regelrecht explodieren!“ 3Sat zeigt die Band am Sonnabend um 2 Uhr 10 mit einem Konzertmittschnitt vom Salzau-Festival.

Manchmal würde Callier gern die Nachrichten-Sendungen im Fernsehen abschaffen, weil er meint, dass das Überangebot an schlechten Nachrichten einfach nicht zu ertragen ist. Dass der Rassismus nach dem 11. September im amerikanischen Alltag wieder sehr präsent sei, berichtet er, und zwar nicht nur wie gewohnt gegen Schwarze sondern in einer sehr aggressiven Form besonders gegen US-Bürger arabischer Herkunft. „Jeder weiß doch, dass der 11. September auch eine Antwort auf die Verbrechen war, die die USA in den letzten 50 Jahren begangen haben“, sagt Callier – und darüber redet und singt er jeden Montagabend im Chicagoer Jazzclub Green Mill. In den sechziger Jahren kam er über ein Konzert des John Coltrane Quartetts zur Musik, heute will der afroamerikanische Singer/Songwriter die Menschen mit seiner eigenen Musik inspirieren und informieren. Am Mittwoch im Quasimodo um 22 Uhr.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben