Kultur : All That Jazz

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Christian Broecking über

Gewinner und Verlierer auf der Bestenliste

Es ist eine Band der Sieger, das Quintett des Bassisten Dave Holland. Die „Down Beat“Kritikerjury wählte ihn gerade zum Jazzmusiker des Jahres und wiederholt zum wichtigsten Bassisten - übrigens weit vor Charlie Haden und dem kürzlich verstorbenen Ray Brown. Die Kritiker wählten sein Quintett zudem zur wichtigsten „Acoustic Group“ und dessen Saxofonisten Chris Potter zum beachtenswertesten Tenorsaxofonisten des Jahres. Potters eigenes Verve-Debüt „Gratitude“ war selbst eines der raren Highlights des letzten Jazzjahres, und seine Anfang Oktober erscheinende CD „Traveling Mercies“ verspricht den furiosen Einstieg noch zu steigern. Potter kam 1989 gerade 18-jährig nach New York. Im Jahre 2000 war er der jüngste Jazzmusiker, der je den hoch dotierten Jazz- Preis gewann. Damit noch nicht genug des Kritikerlobs. Schließlich wurde Hollands Album „Not For Nothin“ noch als Jazz-CD des Jahres ausgezeichnet. Holland orientiert sich bei der Bandkonzeption an Duke Ellington und Miles Davis, mit dem er selbst spielte. Für die Verwirklichung seiner musikalischen Idee braucht er starke Musikerpersönlichkeiten, die er mit Robin Eubanks, Posaune, Steve Nelson, Vibrafon, Billy Kilson, Schlagzeug, und Potter fand. Holland spielt am Dienstag um 20 Uhr in einem Doppelkonzert im Kammermusiksaal der Philharmonie auch mit seinem Quintett, die Saxofonposition ist dann mit Antonio Hart besetzt.

Eine große Schlappe musste in diesem Jahr das Label Verve einstecken. Ausgestattet mit dem Image des Auf-die-ersten- Plätze-abonniert-Seins hat das Label als Folge der konzerninternen Umstrukturierungspolitik Federn lassen müssen, ECM und Blue Note liegen vorne. Schon lange nicht mehr vertreten in der Best-Of-Liste des Jahres ist der Trompeter Freddie Hubbard. Das ihm aufgrund gesundheitlicher Probleme heute der Ansatz fehlt, der ihn einst so einzigartig machte, ist bitter, bitter, bitter. Nach langer Pause kommt er dennoch mit einem neuen jungen Super-Oktett nach Berlin. Mindestens sehenswert - am Dienstag um 20 Uhr im Audi Forum Friedrichstraße.

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