Kultur : All That Jazz

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Christian Broecking über

heilige Hallen und stählerne Ambulanzen

In den letzten Jahren wurde das Verlangen, internationale Jazzstars nach Berlin einzuladen, für nicht subventionierte Veranstalter zu einem immer größeren Wagnis. Und das nicht nur wegen der unseligen Ausländersteuer. Auch die Gagenforderungen der Künstler selbst nahmen kräftig zu, eigenartigerweise just in dem Moment, da das Publikumsinteresse zu stagnieren begann und dann sukzessive zurückging. Mit der Gründung des Jazzradios Mitte der Neunzigerjahre gelang kurzzeitig zwar ein feiner JazzBoom, von dem auch die Musiker und Veranstalter zumindest ideell profitierten. Aber das war einmal. Inzwischen ist man dankbar, dass es wenigstens das JazzFest noch gibt, nachdem selbst der Hamburger Konzertveranstalter Karsten Jahnke nach zaghaften Versuchen, seine in Hamburg und Frankfurt sehr erfolgreichen und hochkarätig besetzten (sprich: teuren) JazzNights auch in Berlin zu installieren, immer wieder das Handtuch warf.

Jetzt wird noch einmal geklotzt. In der bald beginnenden Saison ist Berlin bei allen vier Nights dabei. Neben Tempodrom (Sonny Rollins am 13.10.) und Philharmonie (Dave Brubeck am 25.11.) wird jetzt versucht, das Stilwerk als neuen Jazzveranstaltungsort zu etablieren. Und wer bei der Soultrane-Eröffnungsparty vorbeigeschaut hat, weiß bereits, wie dieser neue Ort klingt. Es dreht sich um den Innenhof des Stilwerks, die so genannte Shopping-Mall. 450 Stühle werden vor der Bühne aufgestellt, und es wird Stehkarten für den ersten Stock geben, die zwischen 17 und 20 Euro kosten sollen. Terence Blanchard ist für den 30.11., Gary Burton für den 9.3. gebucht.

Ein neuer Veranstaltungsort der Ost-City, in dem es hin und wieder auch Jazzkonzerte geben wird, heißt RAW-Tempel ehem. Reichsbahnausbesserungswerk Tor 1/Ambulatorium (Revaler Str. 99, Friedrichshain). Morgen spielt dort der Bassist Sirone, der mit dem Revolutionary Ensemble einst den Soundtrack des New Yorker Künstler-Untergrunds improvisierte (21 Uhr).

Nach fünfjähriger Berlin-Pause kommt das einzigartige Kronos Quartett am Donnerstag ins Tempodrom. Pünktlich zur Tour gibt es auch die neue CD „Nuevo“ – eine Sensation unter den besten CDs dieses Jahres, ein Meilenstein im Repertoire dieses außergewöhnlichen Quartetts und eine außergewöhnliche Tour de Force durch die mexikanische Musiktradition (20 Uhr).

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