Kultur : All That Jazz

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Christian Broecking über einen deutsch-amerikanischen Grenzgänger

Peter Kowald, der Bassist aus Wuppertal, hatte die Liner Notes geschrieben, William Parker, der Bassist aus New York die Musik. In Berlin wurde sie uraufgeführt, das war im Frühjahr ’98 beim „30. Workshop Freie Musik". Ein kurzes Piano-Intro, eine 50-minütige Ensembleimprovisation und ein einfaches, schönes Thema auf 13 Minuten gestreckt, „Another Angel Goes Home". Dieses Stück gibt es auf der William Parker CD „In Order To Survive". „In Order To Survive“ symbolisiere New York, schreibt Kowald in den Liner Notes. In diesem Fall ein New York, das in Berlin inszeniert wurde. Und ein New York, das sympathisch unberlinerisch klingt, weil es gänzlich ohne Gitarre auskommt.

Kowald traf Parker vor 25 Jahren. Er lernte ihn in jenem Haus am Thomkins Square kennen, in dem einst der mit William nicht verwandte Altsaxophonist Charlie Parker lebte. Kowald erinnert sich an eine lange gemeinsame Autofahrt, die Parker und ihn von Berlin zum Amsterdamer Flughafen führte. Das war 1983 und der „wunderbar verrückte Penck“ hatte den beiden gerade 50000 Mark zugesagt, mit denen sie ein Musikereignis ihrer Wahl in New York organisieren sollten. Ein Jahr später fand dann das Sound Unity Festival in einer kleinen Basketball-Halle statt. Die gesamte Lower East Side-Szene war gekommen, Kowalds Wohnung – er lebte damals in New York – war das organisatorische Hauptquartier des Festivals. Vor einer Woche ist Kowald in der Wohnung von William Parker einem Herzschlag erlegen. Eigentlich wollte er vom 1. bis 3. November im Jazzkeller Treptow spielen.

1995 hatte Kowald den Albert Mangelsdorff Preis erhalten, 1997 wurde der Saxofonist Ernst Ludwig Petrowsky zum Preisträger, zwei Jahre später der Saxofonist Heinz Sauer. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 33. Geburtstag des Jazzkellers Treptow – da der Jazzkeller Ende des Jahres sein Domizil verlassen muss, spricht man auch vom „letzten Geburtstag“ – spielt Petrowsky am Freitag zusammen mit Sauer und Thomas Borgmann, Saxofon. Am Samstag improvisiert Heinz Sauer dann mit dem Pianisten Ulrich Gumpert, Beginn jeweils um 21 Uhr.

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