Kultur : All that Jazz

Das Osterwochenende bietet sich für Festivals geradezu an.Der Winter ist vorüber, ein erstes Aufatmen der porösen Sinne, da kommen musikalische Streifzüge gerade recht.Wenn nicht ...Tja, wenn nicht die meisten die Gegelegenheit wahrnehmen und das schöne Wetter für einen Ausflug nutzen und also vielleicht garnicht dasein werden.Egal.Wer nicht wegkommt und für die Bewegungsillusionen des Jazz empfänglich ist, wird auch über Ostern alle Kontinente besuchen dürfen.

Wir beginnen unseren Flug in Berlin, wo sich im Quasimodo an zwei Abenden die Berliner Jazz Szene versammelt und mal wieder den geglückten Versuch einer CD-Einspielung feiert (Dienstag und Mittwoch, Beginn jeweils 22 Uhr), fliegen über Alpen und Mittelmeer in den schwarzen Kontinent, aus dem sich mit Abdourahmane Diop ein ganz besonderer Zeremonienmeister nach Berlin begeben wird (Quasimodo, Freitag 2.4., Beginn 22 Uhr), steigen auf in den eisigen Windkanal des Jetstreams, der uns über tiefblaue Ozeane hinweg in die Karibik trägt, von wo aus Latin Love Affair als eine der ältesten deutschen Salsa-Bands seit Jahrzehnten seine Einflüsse bezieht (Miles, Freitag 2.4., Beginn 22 Uhr), steigen erneut auf und klinken uns in die Flugroute des Transatlantik-Verkehrs, um über dem trübsinnigen London eine Ehrenrunde zu drehen, die ein Mann wie Brian Auger verdient hat, der seit den frühen sechziger Jahren zur Elite der Jazz-Organisten zählt und mit seinem immerhin auch schon fast zwanzig Jahre alten Oblivion Express unterwegs ist (Quasimodo, Donnerstag 1.4., Beginn 22 Uhr).

Wenn wir dann, dem kulturellen Kollaps nahe, sicher wieder gelandet sind, interessiert uns vielleicht die Ausdruckspalette eines einzigen Instruments.Der Badensche Hof veranstaltet wie jedes Jahr das "Oster-Guitar-Meeting", zu dem eine ganze Reihe erstklassiger Jazz-Gitarristen eingeladen worden sind.Für Liebhaber der Jazz-Gitarre eine Pflicht.So macht den Auftakt der Franzose Patrick Farrant, der für seine elegischen Bebop-Phrasierungen bekannt ist (Donnerstag 1.4., Beginn 21 Uhr).Der aus Montreal stammende Kanadier Eric St.Laurent orientiert sich an den Feuer-Teufeln Coltrane und Hendrix und arbeitet auf seine Weise an der Verbindung von elementarer Ausruckskraft und Stil (Freitag 2.4., Beginn 21 Uhr).Mit Andreas Willers (Sonnabend 3.4., Beginn 21 Uhr) und Michael Gechter (Sonntag 4.4., Beginn 21 Uhr) spielen zwei Gitarristen, die sich im Kielwasser des Fusion bewegen.Willers lyrischer Humor, der von Michael Grieners Lust zur Attacke am Schlagzeug ergänzt wird, kann einen selig machen und Gechters Trio mit dem Organisten Steven Reich erinnert an die Sound-Exkursionen von John McLaughlin und John Abercrombie.Den Abschluß macht der Italiener Giorgio Crobu, dessen sanfte und warme Improvisationen den Bogen spannen von Wes Montgomery bis George Benson (Montag 5.4., Beginn 18 Uhr).Wem die Gitarre jedoch ein zu elektrisches Instrument ist, sollte ins A Trane gehen, wo mit der Kara Johnstad Group (Donnerstag und Freitag, Beginn jeweils 22 Uhr) eine wundervolle Sängerin zu hören sein wird.

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